Westbams Club-ABC:

K wie Krik

Die einen nannten es „Krieg“, bei den anderen hörte sich der Name dieses legendären Clubs nach einem Ächz-Geräusch nach sehr langem Durchhalten an. Vielleicht stammte der lautmalerische Name auch vom Zerstampfen von Substanzen.
Im Internet findet sich heute keine Spur mehr von dem legendären Berliner Schuppen, der Krik hieß und gegenüber dem Metropol lag. Hierher kamen ab fünf Uhr morgens die Menschen aus den anderen Schöneberger und Charlottenburger Clubs, um noch bis zum Nachmittag weiter zu feiern. In New York hießen solche Läden damals schon „After Hours“,  in Berlin nannte man es Krik. Eine lange Theke führte durch den schlauchförmigen Laden bis zu einer kleinen Tanzfläche. Dahinter lagen die Toiletten, die manche als „Erfrischungsraum“ bezeichneten. Der Sound, der dort lief, kam aus einer kleinen Kombüse oberhalb des Eingangs, die man nur auf Knien betreten konnte. Und dieser Sound war seltsam: ein bunter Mischmasch von Liedern und Tracks, der keiner speziellen Idee zu folgen schien und der von DJs gespielt wurde, die Musik lediglich in zwei Kategorien einteilen: die gute und die schlechte, wobei sie letztere wohl für die gute hielten. Noch seltsamer aber war, dass diese eigenartige Musik regelmäßig in den Leserumfragen der Stadtmagazine zur besten der Stadt gewählt wurde.
Im Krik wurde mir eine der ewigen DJ-Regeln von Berlin bewusst: Willst du als DJ in dieser magischen Stadt Erfolg haben, dann: Spiel’ lange. Spiel’ noch als Letzter. Spiel’, bis keiner mehr da ist. Denn die letzten und besten Leute werden dich lieben und dein Loblied singen.

Addresse: Motzstraße/ Ecke Nollendorfplatz
Typisches Lied: The JBs – Blowyourhead!
Zeitpunkt des Aufenthalts: um 1986

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