DRAMA

Katzelmacher

Etwas zu didaktisch agiert die rührige Jugend­sparte des DT in dieser ins Heute versetzten Fassbinder-Adaption

Apathische Teens mit Migrationshintergrund – Foto: David Baltzer/bildbuehne.de
ZITTY-Bewertung: 4/6

Die Bühne ist eine Dachlandschaft mit rauchenden Schornsteinen und abschüssiger metallischer Schräge. In diesem zum Springen, Purzeln und Tollen einladenden Ambiente (Bühne: Jil Bertermann) trifft sich eine gelangweilte Clique aus Schülern, Schulabbrechern, Gelegenheitsarbeitern und Gelegenheitskriminellen. Wut auf alles und auch aufeinander ist das beherrschende Element.

So zeichnete Rainer Werner Fassbinder 1968/69 in seinem Bühnenstück und dem gleichnamigen Film „Katzelmacher“ die der bundesrepublikanischen Realität wohl mehr entsprechende Antithese zum heute herrschenden 68er-Klischee mit WG, freier Liebe, offenem Langhaar und dicken Tüten. Fremdenfeindlichkeit, damals gegenüber einem griechischen „Gastarbeiter“, gehört ebenfalls hinzu.

Das Ensemble des Jungen DT verlagert dieses Szenario in die Jetztzeit. Zwar behält es leider den didaktischen Grundton bei, malt aber auch die von Fassbinder angelegte Trostlosigkeit schön aus und überführt sie in eine zeitgemäße Dynamik der Apathie. Von dieser Jugendbrigade des Deutschen Thea­ters will man definitiv mehr sehen. Nicht unbedingt allerdings in einem Stück, das so arg oberlehrerhaft in die gegenwärtige Anti-AfD-Kulturaufregung passt, dass man sich in einer Propagandaveranstaltung zu befinden glaubt. TOM MUSTROPH

22.2., 9.3., 19.30 Uhr, Deutsches Theater – Box, Schumannstr. 13a, Mitte. Regie: Jessica Glause, Choreografie: Ronni Maciel;; mit Stephanie Amarell, Lorin Brockhaus, Lina Bookhagen, Henry Schlage. Eintritt 14–30, erm. 9 €, Berlinpass & Geflüchtete 3 €

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