Kannibalen in Zivil

K.I.Z. im Interview

K.I.Z. sind zurück und feiern auf ihrem neuen Album den Weltuntergang. Ungewohnt ernsthafte Töne von der sonst bislang für ihre bis zur Karikatur übersteuerten Schock-Reime bekannten Berliner HipHop-Combo. Die Kannibalen in Zivil wollen den globalen Relaunch einer Gesellschaft, in der einiges falsch läuft. Der bei den drei Rappern Maxim, Nico und Tarek und ihrem DJ Craft sonst eigentlich fest eingeplante Krawall bleibt dagegen aus.
Interview: Johann Voigt

K.I.Z. Foto: Christoph Voy

Das neue Album heißt „Hurra, die Welt geht unter“. Ist das denn etwa ein Grund zur Freude?
Nico: Wir beschreiben einen Weltuntergang, nach dem der Mensch übrig bleibt, das herrschende System aber zusammenbricht. Das ist eine Utopie.
Tarek: Eine durch und durch positive Zukunftsvision.
DJ Craft: Ich finde die Vorstellung, dass das Ende der Welt, wie wir sie kennen, in etwas Positivem mündet, sehr schön. Das ist etwas, was es Wert ist, sich auszumalen.
Tarek: Es ist aber auch nur eine Möglichkeit. Ich kann mir genauso gut vorstellen, dass die Fischmenschen aus der Tiefsee kommen und uns alle hinrichten, weil wir das Meer leergefischt haben.
Nico: Sie werden uns alle mit Seetang oder mit Farnen umwickeln.
Tarek: Das wäre für einen Song nur ein bisschen zu abstrakt gewesen. Außerdem habe ich gerade Sushi gegessen. Bitte tötet mich nicht, Fischmenschen.

Maxim und Niko sind Mitglieder der Partei Die Partei und das aktuelle Album greift immer wieder gesellschaftspolitische Themen auf. Machen K.I.Z neuerdings etwa Polit-Rap?
Maxim: Ich will mich dadurch auszeichnen, dass ich gute Musik mache. Wenn Musik nur ein Transportmittel für eine politische Message ist, leidet sie darunter. Ein politischer Gedanke, den man beispielsweise bei einer Podiumsdiskussion äußert, ist meistens nicht besonders originell. Wenn ich aber einen Song schreibe, dann soll der schon etwas Neues, Originelles haben. Deshalb passen Pop und Politik nicht gut zusammen.

Bislang wurden K.I.Z auch nicht für politische Aussagen, sondern für eine überspitzte Darstellung von Sex und Gewalt kritisiert. Fühlen Sie sich mittlerweile besser verstanden?
Tarek: Es gibt aktuell so einen Überfluss an deutschen Rappern, die in jeglicher Hinsicht anecken, dass wir kaum noch in in die Krawall-Ecke gestellt werden. Die Rap-Medien haben das ohnehin nie getan und auch das Feuilleton hält sich mittlerweile zurück.
Maxim: Die „Welt“ hat es dann trotzdem gemacht.
Nico: Die „Welt“ hat uns aber nicht als Porno-Rapper beschimpft, sondern bloß als Terror-Rapper.
Maxim: Das ist doch noch viel cooler.

Wie bringen Sie das alles unter einen Hut? Gesellschaftskritik, Humor und Party?
Nico: Ich würde das gar nicht so voneinander trennen wollen. Ich würde Leuten, die Party machen, nicht unterstellen, dass sie nicht bis Drei zählen können. Und ich würde den Leuten, die Lust auf Tiefgang haben, genauso wenig unterstellen, dass sie nicht ab und zu einen über den Durst trinken und feiern wollen. Wir mögen jedenfalls beides.
Tarek: Voller Weltschmerz twerken wir im Club.
Maxim: Aber nur mit mindestens fünf Frauen.

In der Promophase zu ihrem Albums inszenieren Sie sich als Diktatoren. Wie würden Sie Berlin regieren?
Maxim: Na, diktatorisch natürlich. Ich würde Berlin komplett aussaugen, das Recht der ersten Nacht durchsetzen und ordentlich einen draufmachen.
DJ Craft: Dann würde ich Maxim vom Thron treten und das Selbe noch mal machen.
Maxim: Wir verschenken Berlin an Ahmadinejad. Und wir werden natürlich die Scharia einführen. – Jetzt ist es raus.

K.I.Z.: „Hurra die Welt geht unter!“ (Vertigo Berlin/Universal), Konzert: 18.12., Max-Schmeling-Halle, Prenzlauer Berg, Eintritt 29 Euro, www.k-i-z.com

Foto: Christoph Voy