Berliner Museen

Klaus und Erika Mann

Mutiger als der Vater: Das Schwule Museum würdigt die Geschwister Erika und Klaus Mann mit einer Ausstellung zu Literatur, Kabarett und Kunst

Rinaldo Hopf: Erika Mann (2016),
Erika Mann (2016), Aquarell auf Buchseiten. Abb.: Rinaldo Hopf / Sammlung Wolfgang Theis

Die reizende Familie Mann

Als Erika, sein erstes Kind, 1905 ­geboren wird, schreibt Thomas Mann: „Es ist also ein Mädchen; eine Enttäuschung für mich“. Und weiter: „Ich empfinde einen Sohn als poesievoller.“ Den Sohn, zumal einen enorm poetischen, bekommt seine Frau Katia dann auch, ein Jahr später. Und doch wird alles anders, als der Schriftsteller dachte, denn es sollte Erika sein, deren Rat er später über alles schätzt, während er für Klaus meist nur Worte der Missbilligung hat. Thomas Mann wird das Grab von Klaus, der 1949 an einer Überdosis Tabletten in Cannes stirbt, nie besuchen. Es muss ihn, der die eigene homoerotische Neigung so sehr im Zaum zu halten suchte, geschmerzt haben, dass Klaus das offen schwule Leben lebte, das er, Thomas, sich verwehrte.
Das Schwule Museum zeigt mit „Es ist also ein Mädchen“ eine Hommage auf Erika und Klaus Mann. Es ist die dritte Schau des Hauses über die Familie. Die ersten beiden galten Thomas und seinem Sohn Golo, dem späteren Historiker, der ebenfalls homosexuell war. Viele, viele wohlausgewählte ­Fotos sind zu sehen in den beiden Räumen.

Pamela, Gustaf und die anderen

Es beflügelt die Abenteuerlaune, wie Erika und Klaus von München nach Berlin und später zu einer Weltreise aufbrachen. Wir sehen sie mit prominenten Freunden (Pamela Wedekind, Gusta Gründgens etwa), mit denen sie die Liebe für die Künste, für Drogenexperimente und Todessehnsucht teilten. Daneben platziert sind FBI-Akten, Originalbriefe, Buch-Erstausgaben – und Kunst. Unspektakulär gehängt, aber aufschlussreich.

Literatur im Spiegel der Kunst

Herausragend ist das eigens für die Ausstellung gefertigte, überlebensgroße Aquarell auf Buchseiten des Freiburger Künstlers Rinal­do Hopf: Nazi-Gegnerin Erika Mann mit dem für sie typischen, offenen Blick und in der US-Uniform, die zu tragen ihr so wichtig war als Kriegsberichterstatterin an der Front in Europa. Man darf nicht vergessen, dass es die beiden Geschwister waren, die ihren Vater überreden mussten, sich gegen Hitler zu stellen und ins Exil gehen. Während Thomas Mann in den USA auf die Pazifikwogen blickt, bringen Erika und Klaus einen Kampfgeist auf, der in seiner Konsequenz nur möglich ist, weil sie stets Menschen bleiben, die nicht klein beigeben. Eine Inspiration bis heute.

Bis 31.1.: Schwules Museum, Lützowstr. 73, Tiergarten, Mi, Fr, Mo 14–18, Do bis 20, Sa 14–19, So 14–19 Uhr, 7,50/ erm. 4 €

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