Kollektive gegen rechts

HoGeSa – Die Banalität des Bösen entlarven

Gar nicht oberlehrerhaft: Die Hooligans gegen Satzbau demaskieren die Dummheit  und das Unwissen rechter Krakeeler

Facebook-Kommentare zu lesen, das ist manchmal, wie an einem Unfall vorbeizufahren. Man will eigentlich nicht hingucken, kann es aber doch nicht lassen. Auffällig ist: Offenbar vor allem rechte Kommentarschreiber verstümmeln Worte bis zur Unkenntlichkeit. Damit nicht genug: Sie machen Grammatikfehler und beenden ihre Sätze mit zu vielen Satzzeichen. Das Kollektiv „Hooligans gegen Satzbau“ macht sich darüber lustig. Seit neuestem nicht nur auf ihrer Web- und Facebookseite, auf der täglich neue Beiträge erscheinen, sondern auch in ihrem Buch „Triumph des Wissens“. Leser*innen sollen zum Beispiel entschlüsseln, was mit Wortschöpfungen wie „Schornalist“, „Kanage“ oder „Cindies und Romas“ gemeint sein könnte.

Und dürfen angesichts von so viel Stumpfsinn auch mal lachen. „Uns geht es nicht darum, die Rechten zum Umdenken zu bringen. Sondern darum, ihre Ergüsse für den Rest der Gesellschaft erträglicher zu machen“, sagt der Grafikhool.  Zusammen mit seiner Frau, der Erziehungswissenschaftlerin „Kiki Klugscheißer“, bildet er HoGeSatzbau.

Kiki Klugscheißer und der Grafikhool
Foto: Peter van Heesen / HoGeSatzbau

Aus Angst vor Übergriffen treten die beiden in der Öffentlichkeit maskiert auf. Mit gutem Grund: Wegen ihres Einsatzes drohen politische Gegner ihnen regelmäßig Gewalt an. Bereits seit 2014 setzt das Ehepaar den Fake News und der Verrohung der Sprache Satire und Humor entgegen. Indem sie die platten Sprüche von Rechts einordnen, sie in ihrer Menschenverachtung entlarven. Zudem klären HoGeSatzbau auf, sachlich und unaufgeregt: darüber, was Meinungsfreiheit bedeutet und was den Tatbestand der Volksverhetzung erfüllt. Darüber, wie die Propaganda der Nationalsozialisten einst funktionierte. Aber wenn AfD-Politiker und andere Nationalisten Aussagen treffen, die vor Logikfehlern und Geschichtsrevisionismus strotzen, erklären HoGeSatzbau nicht, warum deren Aussagen falsch sind. Stattdessen zeigen sie auf anderen Wegen, warum die Kommentare nicht ernst zu nehmen sind.

Das Buch von HoGeSatzbau – jetzt im Fachhandel
Cover: Verlag Antje Kunstmann GmbH

Als Georg Pazderski, Chef der Berliner AfD, sich auf Facebook darüber beschwerte, dass die AfD keine Redezeit bei der Gedenkfeier der Opfer des Holocaust bekam, erinnerten HoGeSatzbau nur nebenbei an judenfeindliche Aussagen von AfD-Mitgliedern. Darunter: „Vogelschiss“ und „Denkmal der Schande“. Fokussiert hatte das Kollektiv vielmehr auf einen Kommentar darunter, den Pazderski so stehen ließ. Darin gedachte jemand der Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck, die im Gefängnis sitzt. „Wir könnten ihm jetzt ernsthaft lang und breit erklären, was für einen Unsinn er von sich gibt. Brauchen wir aber nicht, weil seine Anhänger sein bestes Aushängeschild sind“, sagt der Grafikhool.

HoGeSatzbau bekommen kein Geld für ihre Posts. Einen auf 2.500 Euro dotierten Preis für den Einsatz gegen Hasskommentare, vergeben von Facebook und der Stiftung „Digitale Chancen“ unter Schirmherrschaft von Bundesministerien, lehnten sie ab. Begründung: Würde Facebook Hasskommentare löschen, müsste es die HoGeSatzbau nicht geben. Von staatlicher Förderung für Kollektive halten sie ebenfalls nichts: „Was sollen die Projekte denn mit einer einjährigen Förderung anfangen? Gerade beim Kampf gegen Rechts geht es doch darum, einen langen Atem zu haben“, sagt der Grafikhool.

Für andere Kollektive wie das Zentrum für politische Schönheit haben HoGeSatzbau dagegen viel Lob übrig. „Jeder Widerstand ist wichtig, jedes noch so kleine, protestierende Teilchen. Gerade jetzt geht es nicht mehr darum, wer besser ist, wer noch linker ist als die anderen Linken. Sondern darum, den Rechten zusammen die Stirn zu bieten.“ Deswegen sind die HoGeSatzbau Teil der „Stay Behind Foundation“. Dort kommen Kollektive in einer übergeordneten Initiative zusammen und planen Aktionen. Auch an der täuschend echten Nutella-Plakatwerbung mit dem Spruch „Lieber Braun auf’s Brot als braun im Kopf“ waren sie beteiligt.