Trinkkultur

Kommt die Bierdose zurück?

Weil eine neue Generation Berliner Brauer das Bier gerne im Dunkeln lässt, erlebt die Bierdose gerade ihre Renaissance. Eine verpackende Geschichte

Bier ist immer auch eine Frage der Haltung. Travis Wilson hält sein Bier am liebsten dunkel und kühl. Neben der Fassabfüllung für die Gastronomie setzt der Gründer der Berliner Mikrobrauerei Motel Beer deshalb zunehmend auf die Dose: „Es mag sein, dass manch ein Wein atmen sollte. Bier jedenfalls fühlt sich luft- und lichtdicht versiegelt am wohlsten und hält so seine Qualität.“

Die Zahlen jedenfalls, sie sprechen für sich. Während nach Einführung des Dosenpfands im Jahr 2003 die Zahl der deutschlandweit verkauften Getränkedosen auf gerade einmal 200.000 Stück geschrumpft war, hat sie sich in zwischen wieder verfünfzehnfacht. Gut eine Millarde mal wurde alleine ein Bier im Jahr 2017 wieder in der Dose verkauft. Und als etwa die Stone Brewing Company, eine der größten Craft-Beer-Brauereien der USA, vor zwei Jahren ihre europäische Produktion in Mariendorf eröffnet hatte, wurde ganz selbstverständlich auch eine Dosenabfüllung implementiert.

Eine Chance für kleine Brauereien

Ist die Dose am Ende vielleicht gar kein Behälter, sondern kulinarische Identität? Längst aber sind auch mit dem deutschen Reinheitsgebot sozialisierte Brauer auf die Dose gekommen. Für Johannes Heiden­peters aus der Kreuzberger Markthalle Neun ist das ein logischer, vor allem aber logistischer Schritt: „Wenn man als kleiner unabhängiger Brauer ohne einen großen Getränke­vertrieb arbeitet und über Berlin hinaus wahrgenommen werden will, ist die Bierdose alleine deshalb hilfreich, weil sie leicht ist und damit Transportkosten spart.“

Bier in Dose und in einem Glas, yeah!
Foto: Alex Kilian / alexanderkilian.com / Set Design & Styling Ruth Bartlett / ourbartlett.com

Und damit, so möchte man anmerken, auch CO2, was auch von Umweltverbänden bestätigt wird: Zwar ist die Produktion einer Weißblechdose verhältnismäßig energie­intensiv, ihr Gewichtsvorteil macht sie aber bei langen und allzulangen Transport­wegen zum letztlich effizienteren Gefäß. „Ergibt das etwa Sinn“, so Johannes Heiden­peters, „dass die speziell geprägten Flaschen der Fernsehbiere wieder als Leergut durch die ganze Republik kutschiert werden müssen?“ Die Bierdose hingehen hat eine Recyclingquote von gut 95 Prozent. Letzteres ist tatsächlich ein Verdienst des Dosenpfands, dessen Erfolg auch keiner der jungen Kreativbrauer infrage stellt.

Obwohl, Johannes Heidenpeters hätte da eine weitere Idee. Der Markthallen-Brauer gestaltet seine per Handarbeit abgefüllten und verschlossenen Dosen bis auf Weiteres noch als Siebdruck-Unikate. Und die taugen dann qausi zum Sammlerstück.

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