Kunstwoche

Kommunale Kunstversorgung

Die Kunstwoche der KGB, der Kommunalen Galerien Berlin, hat 2019 ein großes Thema: die Emanzipation von Künstlerinnen. Ein Überblick und zwei Empfehlungen

„Katarakt“ von der Berliner Künstlerin Nadja Schöllhammer, die in der Galerie Nord ausstellt| Credits: Nadja Schöllhammer

Berlin ist groß und macht es fast unmöglich, Ausstellungen in verschiedenen Bezirken an einem Tag zu sehen. Doch genau das hat sich das Team von der Kunstwoche der Kommunalen Galerien Berlin (KGB) zur kreativen Aufgabe gemacht.

Die Woche der kommunalen Galerien vom 30. August bis 8. September zeigt, dass sich die Investitionen der Bezirke in Räume und Personal ihrer Ausstellungsorte in spannenden Programmen ausgezahlt haben, seit die Woche der Kommunalen Galerien 2014 erstmalig stattfand. Und erneut verbinden an einem Tag, dem 1. September, Bustouren die bezirklichen Ausstellungsorte. Drei Touren gibt es, und sie sind meist schnell ausgebucht. Doch die Routen, die auf den Internetseiten der KGB verzeichnet sind, lassen sich leicht nachahmen.

So führt eine Tour in fünf Stationen von der Galerie Parterre in Pankow über Reinickendorf nach Lichtenberg, eine zweite von der Galerie Weißer Elefant in Mitte über Wedding und Spandau nach Friedrichshain. Und die dritte verbindet das Haus am Kleistpark in Schöneberg mit der Galerie Alte Schule in Adlershof. Letztlich ist der Tag jedoch egal, denn auch im weiteren Verlauf der Kunstwoche bieten die Bezirksgalerien interessante Ausstellungen und Tagesveranstaltungen, auch abseits dieser Routen.

Von Bauhaus bis heute

Einer der Themenschwerpunkte der diesjährigen KGB-Woche ist die Emanzipation von Künstlerinnen. So thematisiert die Gruppenausstellung „Klasse Damen“ im Schloss Biesdorf die Öffnung der Berliner Kunstakademie für Frauen vor 100 Jahren mit Werken Berliner Künstlerinnen der Klassischen Moderne und von heute. Dem Thema entsprechend ist Beteiligung von Künstlerinnen in der KGB-Woche hoch. Die in Japan geborene Berliner Malerin Maki Na Kamura stellt im Gutshaus Steglitz aus, Nadja Schöllhammer, spezialisert auf Papierinstallationen (Foto), in der Galerie Nord/ Kunstverein Tiergarten.

Die Galerieetage im Museum Reinickendorf zeigt Arbeiten von Hanna Hennekemper und Cathy Jardon. Die Zeichnerin Hennekemper experimentiert mit Drucktechnik, und Jardon beweist in ihren Gemälden einen für Form und Farbe geschärften Blick. In einem Gespräch am 4. September, 19 Uhr, diskutieren die beiden über ihre Verfahren, Hennekemper erläutert ihre Methode zudem am
5. September in einem Workshop an der kommunalen Jugendkunstschule des Reinickendorfer Atriums.

Auch Lesungen, Konzerte und Performances finden während der vom Ausstellungsfonds Kommunale Galerien und der Senatsverwaltung für Kultur geförderten KGB-Woche statt. Besonders spannend könnte am 6. September die Lesung von Ulrike Müller werden. Nachdem ihr Buch „Bauhaus-Frauen“ (2009) große Aufmerksamkeit in der Wissenschaft erhielt, konzentriert sich die Kulturwissenschaftlerin auch in ihrem neuen Buch auf lange in Vergessenheit geratene Akteurinnen am Bauhaus. Müllers Lesung findet im Rahmen der Ausstellung „vier x drei: bauhaus“ in der Friedrichshainer Alten Feuerwache statt. Hier thematisieren Arbeiten von vier Berliner Künstlerinnen jene Genres, die einst am Bauhaus Männern vorbehalten waren: Skulptur, Zeichnung, Malerei und Architektur. Auch noch in der Weimarer Republik mussten Künstlerinnen große Teile ihres Beitrags zur Kunst im Verborgenen leisten.

Ebenfalls am 5. September führt das Ensemble KNM Berlin für moderne Musik in der Galerie Parterre Werke von Komponistinnen auf, etwa von Ursula Mamlok und Ethel Smyth – in einer Ausstellung der halb vergessenen Berliner Malerin Louise Rösler (1994–1993). Dass viele Veranstaltungen gleichzeitig stattfinden, ist keine Seltenheit während der KGB-Woche. Ihr Programm ist riesig, und das hat seine Vorteile: Im Zweifelsfall kann man sich spontan für eine Veranstaltung in der Nachbarschaft entscheiden.

Info: 30.8.–8.9.: KGB-Kunstwoche, in allen Bezirken, kgberlin.net

Unsere Tipps

Soline Krug

Credits: Chroma/Soline Krug

Warum Menschen sich selbst nicht treu bleiben, erforscht die französische Künstlerin Soline Krug am 7. September in ihrer Lecture Performance „Metamorphoses. Questioning Our State“. Es geht darum, dass menschliche Handlungen nicht vorhersehbar sind, kurz: um das meist rätselhafte Subjekt. Krug führt ihre Performance in einer Ausstellung zum Thema Erwartungen auf, in der auch Arbeiten von Ruth Wolf-Rehfeld, Robert Rehfeldt und aus dem Archiv der Anonymen Zeichner zu sehen sind. Krug war Stipendiatin des Goldrausch-Künstlerinnenprogramms und hat soeben im Brandenburgischen Kunstverein an einer Ausstellung mit Zeichnungen teilgenommen.

Info: 7.9., 18.30 Uhr: Galerie Weißer Elefant, Auguststr. 21, Mitte | Eintritt frei

Sounds mit Der Plan

Credits: Oliver Schulz-Berndt

Unweit von Soline Krugs Performance in der Galerie Weisser Elefant geht es am 7. September weiter im Ballhaus Berlin in der Chausseestraße. Dort findet die jährliche Konzertreihe „KGB-Sounds“ statt. Dieses Jahr spielen The SchnickSchnack Lofi-Trash, der sich mit Pop und Punk mischt, das Trio Kinky Muppet, die Band Schrottplatz der Gefühle und der 1980 gegründete Plan: in der Besetzung mit Moritz Reichelt, Frank Fenstermacher und Kurt Dahlke (Foto). Zum Schluss legt DJane Marlene Stark elektro-experimentelle Klänge auf.

Info: 7.9., 20.30 Uhr: Ballhaus Berlin, Chausseestr. 102, Mitte | Eintritt frei