Dokumentarfilm

Kommunion

Das schmerzhaft intime Porträt einer polnischen Familie in prekären Verhältnissen

ZITTY-Bewertung 6/6

„Selig sind die Armen im Geiste“, hat ­Jesus unter anderem gesagt, aber er hat dabei wohl nicht konkret an den Jungen Nikodem gedacht, der sich in einer ­kleinen Stadt in Polen gerade auf die Erstkommunion vorbereitet. Nikodem ist geistig behindert, in seinem Kopf geht manches zu schnell, anderes zu langsam. Er braucht Betreuung, und diese Aufgabe bleibt an Ola hängen, seiner älteren Schwester, die eigentlich viel zu jung dafür ist.

Aber es bleibt ihr nichts anderes übrig: Der Vater, der zu Hause meist vor dem Fernseher sitzt und die Wohnung vollqualmt, trinkt immer mal wieder zu viel, die ­Mutter ist längst weg, den Bruder kann man keine Minute allein lassen.

Ola und Nikodem
Foto: Peripher Filmverleih

Olas prekäre Familie steht im Mittelpunkt dieses Dokumentarfilms von Anna ­Zamecka. Auf mustergültige Weise kann man hier sehen, wie eine ­Filmemacherin Nähe zu ihren Figuren schafft, und was sich daraus ergibt: ein immer wieder schmerzhaft intimes Porträt von Menschen, denen das Leben über den Kopf zu wachsen scheint. Vieles bleibt nur ­angedeutet in „Kommunion“, das ist wohl der Preis für die zahlreichen eindrucksvollen Momente, die Anna Zamecka im Laufe eines Jahres mit Ola und Nikodem aufgezeichnet hat. Sie stellt die Menschen ­niemals bloß, lässt uns aber auf eine manchmal auch bedrückende Weise an ihnen Anteil nehmen. Hier wird gezeigt, wozu dokumentarisches Kino in der Lage sein kann.

„Komunia“, PL 2016, 73 Min., R: Anna Zamecka

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