TANZTHEATER

Kreatur

Macht und Ohnmacht: Sasha Waltz misst in ihrer bild­starken Choreografie ­den Puls zerrissener ­Gesellschaften

Lady Gagas Kostümbildnerin ging zu Werke – Foto: Sebastian Bolesch

Dieses Duett hat es in sich: Kaltes, schwarzes Metall umspielt und bedrängt nackte Haut. Ein gesichtsloses Wesen mit monströsem Stachelpanzer wiegt sich mit einem schutzlosen Tänzerkörper. Sasha Waltz hat für ihren jüngsten Bühnencoup, seit zwölf Jahren erstmals wieder eine Berlin-Premiere, eine visuelle Dimension erdacht, die die Türen für Assoziationen weit aufstößt.

Die thematische Klammer der anderthalbstündigen Arbeit, die nun im Programm des Festivals Tanz im August gezeigt wird: Menschsein in krisenhaften Zeiten, in denen sichergeglaubte Gewissheiten schwinden. Um Macht und Ohnmacht, um Freiheit und Kontrolle geht es in dem energetisch zumeist hochtourigen Szenengeflecht, tänzerisch exzellent umgesetzt vom 14-köpfigen Ensemble.

Ein Hingucker der besonderen Art sind die avantgardistischen Kostüme der niederländischen Mode-Designerin Iris van Herpen, die auch schon Björk oder Lady Gaga ausstattete. So haben etwa skulpturale Wolkengespinste aus Metallfäden ihren Auftritt, die die Körperlichkeit surreal grundieren. Einmal mehr eine Feier des Tanzes zu zelebrieren und einen Echoraum des Nachdenkens in unruhigen Zeiten zu schaffen: Mit „Kreatur“ ist Sasha Waltz beides gelungen. ANNETT JAENSCH

Di 22.8.–Do 24.8., 21 Uhr, Haus der Berliner Festspiele, Schaperstr. 24, Wilmersdorf. Choreografie & Regie: Sasha Waltz. Eintritt 15–45€