Draußen nicht nur Kännchen

Kulinarisches passend zum Berliner Sommer

Streetfood-Partys, Aperitivo mit Italo-Disco-Sound, Craft-Biergärten, Sterneköche am Grill – hier schmeckt der Berliner Sommer am besten

Streetfood

Neulich wurde in den Blogs allen Ernstes diskutiert, ob die Markthalle Neun in Kreuzberg das neue Berghain sei. Keine Frage: Die Aufregung um Streetfood geht auch im Sommer 2014 ungebremst weiter. Gerade hat der Bite Club nach der Winterpause wieder den Betrieb aufgenommen. Alle zwei Wochen wird an der Hoppetosse unter freiem Himmel und mit Blick auf die Spree gegessen und gefeiert. Wieder mit dabei sind Foodtrucks wie etwa der Heiße Hobel mit seinen preisgekrönten Allgäuer Kässpatzen und das quietschgelbe Buns-Mobile mit den turmhohen Gourmet-Burgern. Neu sind Trucks und Stände von etablierten Restaurants. Das Jolesch macht einen Schnitzelwagen, die Bar Raval serviert ein Arroz Negro – eine schwarze Reispfanne mit Fisch, gewissermaßen ein dunkler Verwandter der Paella. Ebenfalls neu ist die Whiskey-Bar mit korrespondierenden Drinks zu einzelnen Gerichten. Die – und das ist das Allerneueste – gibt es auch auf dem Parkplatz hinter der Platoon Kunsthalle an der Schönhauser Allee. Dort nämlich findet immer samstags ab 14 Uhr der Bite Club Mitte statt, natürlich ebenfalls mit Tacos, Dumplings, Pastrami, BBQ, Eis, Musik und vielem mehr.

Eine neue Streetfood-Veranstaltung namens Beef and Beer findet am 30.5. und 1.6. auf dem Urbanspree-Gelände statt. Anders als der Name vermuten lässt, kann man durchaus auch hier Tacos, Dumplings, Burger, Eis und vieles mehr essen. Das liegt daran, dass einige der Foodtrucks und -stände eben jene üblichen Verdächtigen sind, die auch im Bite Club oder beim Streetfood-Thursday gastieren. Praktisch: Nebenan auf dem RAW-Gelände findet ein Craft-Beer-Festival statt, auf dem kleine Berliner Brauereien ihre besten Biere vorstellen.

Schon seit drei Jahren gibt es wiederum die Malzwiese, das Sommerfest der Malzfabrik. Auf dem ehemaligen Brauereigelände im Süden von Schöneberg arbeiten nachhaltige Unternehmen und Existenzgründer. Beim Sommerfest gibt es unter anderem Wildburger von Hirsch und Eber und Grillware von der Tannenwälder Wurstbraterei. Die Berlin Beer Academy hat einen Stand und für die Kleinen gibt es eine Hüpfburg.

Aperitivo

Glückliches Italien: Wenn hierzulande die Happy Hour zum besinnungslosen Picheln animiert, nimmt man in Italien gepflegt einen Aperitivo zu sich. Das ist mitnichten nur ein Getränk – es ist eine Einstellung, ein nachdrückliches Bekenntnis zum besseren Leben. Weil man sich in Italien nach der Arbeit gerne auf einen Drink in einer Bar trifft, werden dort ein paar kleine Köstlichkeiten zum Essen gereicht – soll ja nicht gleich wieder zu Ende sein, der gerade angefangene Abend. Und dieser angenehme Brauch fasst gerade auch in Berlin Fuß. Zu den Vorreitern zählt das Restaurant Brio in der Graefestraße. Hier stehen zwei Köche am Herd, die in Italien lange Jahre in der Spitzengastronomie gearbeitet haben. Ab ziemlich irdischen 1,50 Euro bekommt man hier ab 18 Uhr etwa Supplí genannte Ragoutreisbällchen, gratinierte Hartweizen-Gnocchi mit Pfifferlingen oder gegrillten Tintenfisch.

Die charmante venezianische Trattoria La Pecora Nera am Herrfurthplatz (Piazza-Atmosphäre!) hat täglich ab 18 Uhr eine Spritz-Hour – wo man den Aperol-Spritz zu 2,50 Euro bekommt und Hausmannskost aus Venetien schon ab 1 Euro. Eine gute Adresse für einen Aperitivo ist das Cafe Futuro, ebenfalls in Neukölln. In der Weinbar gibt es nicht nur kleine Snacks und Weißwein aus den Abruzzen, sondern sogar noch eine passende Musikbegleitung dazu: Der neapolitanische Koch ist auch DJ und Labelbetreiber – natürlich mit Schwerpunkt auf Italo-Disco.

Craft-Biergärten

Das Pfefferbräu hat zwar schon letzten Winter in der alten Schankhalle des Pfefferbergs aufgemacht, aber jetzt kann man dort auch endlich draußen sitzen und das fabelhafte Bier trinken, das der Hopfen-und-Malz-Virtuose Thorsten Schoppe hier braut. Zur Auswahl stehen ein hopfenbetontes, also eher herbes Helles und ein Dunkles, bei dem die Malznote dominiert. Zu essen gibt es Biergarten-Herzhaftigkeiten vom Treberbrot mit Schmalz bis zum Wiener Schnitzel. Wie schön, dass nach fast 100 Jahren wieder Bier in den alten Anlagen gebraut wird. Auf überhaupt gar keine Vergangenheit zurückblicken kann hingegen die Zukunft. Der neue Biergarten des gleichnamigen Kinos am Markgrafendamm in Friedrichshain bietet seit April feines und vor Ort selbst gebrautes Bier, dessen Bestellung wie eine Schicksalsfrage klingt: „Dunkle Zukunft“ oder „Goldene Zukunft“ stehen zur Auswahl. So oder so – der Garten ist ein wunderbar verwunschener Ort für den Feierabend. Ein paar Kerzen spenden schummriges Licht, im Hintergrund ist leise das Open-Air-Kino zu hören, neben dem Gemurmel der anderen Gäste.

Eine schwierige jüngste Vergangenheit hat dagegen der Seekrug. Nur acht Monate nach der Eröffnung des Ausflugslokals am Groß Glienicker See brannte das Haus letztes Jahr fast völlig ab. Das historische Gebäude war nicht mehr zu retten. Immerhin hat der Seekrug jetzt wieder geöffnet. Als Biergarten mit einem Speisenangebot, das über Bratwurst und Maiskolben hinausgeht. Mit frischer Forelle aus dem See, Spargel oder einem deftigen Brotzeit-Teller und dazu bekommt man hier ein Augustiner vom Fass.

Spitzenköche am Grill

Gleich zwei Berliner Spitzenköche stellen sich diesen Sommer an den Grill (oder bürgen mindestens mit ihrem Namen für Qualität). Kolja Kleeberg, bekannt aus dem Restaurant Vau und ziemlich vielen Fernseh-Shows, übernimmt im Ballhaus Mitte die Schirmherrschaft über Glut und Kohle. Täglich ab 12 Uhr werden auf dem neu eröffneten Hof vor dem altehrwürdigen Ballhaus in der Invalidenstraße Steaks und Würstchen gegrillt.
Stefan Hartmann, der kürzlich sein mit einem Michelin-Stern ge­adeltes Restaurant Hartmanns in Kreuzberg schloss, sucht gastronomische Erdung im gerade neu eröffneten Weekend. Doch was heißt hier Erdung: Hartmann serviert die Grillware im 15. Stock. Die frisch renovierte und rundum erneuerte Terrasse mit dem Cinemascope-Blick über Berlin wird diesen Sommer bestimmt einer der beliebtesten Orte für einen Sundowner.

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