Kunstvereine

Pneumatik in der Kunst: Floating Utopias

Pneumatik ist, wenn Luft Druck macht: Die NGBK zeigt politische Kunst zum Aufpusten

Nicht nur aufgeblasene, kugelartige Körper schweben über dem Boden der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst (NGBK). Sondern auch Texttafeln, Screens und Fotografien hängen an durchsichtigen Plastikschnüren in der Luft neben den großen pneumatischen Figuren, die die Gruppenschau „Floating Utopias“ mit Arbeiten von Künstlern wie Anna Hoetjes und Tomás Saraceno zeigt.

Blick in die Aussstellung „Floating Utopias“ , in der sogar die Bilderläuterungen schweben © Luca Girardini/ NGBK

Seit 1934 Menschen in Moskau mit einer aufblasbaren Raupe gegen den Faschismus in Deutschland demonstrierten, sind luftgefüllte Objekte immer wieder als Sinnbild neuer sozialer und politischer Ordnungen verwendet worden. Auch Künstler hat das inspiriert, etwa den 1983 geborenen Artúr van Balen, der in Berlin und Budapest lebt. Seit sechs Jahren nutzt das Kollektiv „Tools for Action“, in dem er mitwirkt, pneumatische Objekte als Instrumente des politischen Protests.

Mit den Wirkungen seiner sozialen Plastiken hat van Balen reichlich Erfahrungen gesammelt, in Dortmund genauso wie in New York. Seine „Spiegelbarrikade“ von 2016 etwa, die Wand aus silbern schimmernden Luftkissen im Eingangsbereich der NGBK, nutzte van Balen mit Schauspielern und Akteuren auf einer Dortmunder Kundgebung gegen Fremdenfeindlichkeit. Sein Video dazu zeigt jedoch, dass Polizisten die Quader mit Messerstichen zerstörten. Das Bild von einer besseren Gesellschaft bleibt Utopie. 

Bis 24.6.: NGBK, Oranienstr. 25, Kreuzberg, Do–Sa 12–20, So–Mi 12–18 Uhr, Eintritt frei