Bühne - Interview

kurz_gefragt: Horst Evers

Horst Evers, 39, gehört als Mitglied des Frühschoppens zu den Veteranen der Berliner Lesebühnen und ist neben Wladimir Kaminer der Bestseller-Autor der Szene. Der Publikumsliebling im roten Hemd stammt zwar ursprünglich aus Evershorst bei Diepholz, lebt aber seit 1987 in Berlin, das er lange als Taxikutscher und Paketzusteller von West bis Ost erkundete. Nun besingt er in Bezirkslieder mit dem Comedy-Pianisten Benedikt Eichhorn alle Berliner Bezirke. Nun ja, fast alle.

Foto: Promo

Horst Evers, 39, gehört als Mitglied des Frühschoppens zu den Veteranen der Berliner Lesebühnen und ist neben Wladimir Kaminer der Bestseller-Autor der Szene. Der Publikumsliebling im roten Hemd stammt zwar ursprünglich aus Evershorst bei Diepholz, lebt aber seit 1987 in Berlin, das er lange als Taxikutscher und Paketzusteller von West bis Ost erkundete. Nun besingt er in Bezirkslieder mit dem Comedy-Pianisten Benedikt Eichhorn alle Berliner Bezirke. Nun ja, fast alle.

Von Paul Lincke bis Seeed gibt es ja schon allerhand Lieder über Berlin. Nehmen Sie sich deshalb jetzt seine Verwaltungseinheiten vor?

Nein. Das Ganze ist ja mehr oder weniger aus der Not heraus geboren.

Welcher Not?

Der puren Themennot. Wir haben ja beim Frühschoppen im Schlot jeden Monat zwei neue Lieder im Programm. Irgendwann wusste ich nicht mehr, worüber schreibe ich ein Lied? Und dann war damals die Bezirksreform. Ich wollte alle Berliner Bezirke verabschieden und eine große Oper über sie machen – also ein Acht-bis-Zehn-Minutenlied. Ich fing dann mit Spandau an und stellte fest, dass es schon viel zu lang wurde. Ich hab einfach aufgeschrieben, was mir zu Spandau einfiel. Und da hatte ich plötzlich zu viel Material. Aber da jetzt was rauszuschmeißen, wäre auch schade gewesen. Also bekam Spandau sein eigenes Lied, auf die Melodie von „Downtown“.

„Downtown“ und Spandau? Das ist dann schon ziemlich dialektisch.

Nicht wahr? Als nächstes kam dann Kreuzberg dran und Friedrichshain. Lied für Lied. Die habe ich bisweilen im Frühschoppen gesungen und auch im Mittwochsfazit. „Reinickendorf“ wurde da von Manfred Maurenbrecher als Country vertont: „Rei-Rei-Reinickendorf, hinterm Wedding geht’s schon los und dann zieht sich das gewaltig hin, ja Reinickendorf ist groß.“ Das ist übrigens der einzige neu vertonte Song, alle anderen covern bekannte Lieder – außer „Marzahn“. Der basiert zwar eigentlich auf „Ain’t No Sunshine“. Doch das erkennt man inzwischen so was von gar nicht mehr wieder, dass es auch schon wie eine eigene Komposition geworden ist.

Was macht Benedikt Eichhorn eigentlich dabei? Muss der wie bei Pigor begleiten?

Das Programm ist mit ihm gewachsen. Als mein erstes Buch erschien, habe ich ihn zur Präsentation in der Kalkscheune eingeladen, weil ich dachte, ich müsste den Leuten neben der Lesung noch was bieten. Da haben wir sechs meiner Bezirkslieder eingeprobt. Das hat so gut funktioniert, dass wir das lässig weiterverfolgt haben. Benedikt hat angefangen, selbst Geschichten zu schreiben, ich streute noch Berlin-Geschichten rein und wir entwickelten gemeinsam die Moderationen. Der Eine fragt was, der Andere muss es beantworten. Dabei lassen wir viel Raum für Improvisationen. Wir sagen uns vorher nicht, was wir uns gegenseitig fragen. Irgendwann haben wir gemerkt, dass wir eigentlich ein fertiges Programm haben.

Sind tatsächlich alle Bezirke dabei?

Nein, es fehlen noch ein paar, Neukölln zum Beispiel. Aber Fil hat ja „Spaßbezirk Neukölln“ geschrieben, ein grandioses Lied. An sich sollte ich ihn fragen, ob ich das nicht direkt übernehmen darf.

„Bezirkslieder“, 1., 3.-5.11., 20 Uhr, BKA. Von und mit Horst Evers und Benedikt Eichhorn. Eintritt 15-22 Euro