Kino

Lara

Am Anfang gibt es diesen Moment der Irritation: Kurz nachdem sie aufgestanden ist, öffnet Lara (Corinna Harfouch) ein Fenster ihrer Wohnung. Und man denkt: Vielleicht springt diese Frau, die man ja noch gar nicht kennt, jetzt hinaus, vielleicht hat sie ihr Leben satt. Doch dann klingelt es an der Tür, und das Leben geht einfach weiter. Lara hat Geburtstag an diesem Tag, und am Abend steht ein wichtiges Ereignis an: Ihr Sohn, der Pianist Viktor (Tom Schilling), will erstmals eine Eigenkomposition zur Aufführung bringen. Lara kauft die Restkarten auf und beginnt, sie zu verschenken – das ist der dramaturgische Kniff des Films, um Laras Verhältnis zu anderen Menschen zu ergründen.

Lara (Corinna Harfouch) mit ihrem Sohn Viktor (Tom Schilling)
Foto: STUDIOCANAL / Frederic Batier

Schnell stellt sich heraus: Niemand kann diese völlig verhärtete Frau leiden, die keinen an sich heranlässt. Und Viktor ist nicht zuletzt deshalb ein nervliches Wrack, weil es Lara immer wieder gelingt, ihm zu verstehen zu geben, dass er ihren strengen Ansprüchen nicht genügt. Irgendwann wird bei all der Selbstgerechtigkeit Laras auch der dahinterstehende Frust deutlich – und das tragikomische Missverständnis, das ihn ausgelöst hat. Und es ist gerade der hintergründige Witz, dass der Film mit seiner Hauptfigur eigentlich genauso boshaft umgeht wie Lara mit den Menschen in ihrer Umgebung, der Jan-Ole Gersters Charakterporträt einer gescheiterten Frau sehenswert macht.

D 2019, 98 Min., R: Jan-Ole Gerster, D: Corinna Harfouch, Tom Schilling, André Jung, Volkmar Kleinert, Rainer Bock, Start: 7.11.