OPER

Le Prophète

Große Oper, kleiner Geist: Oliver Py fällt zu einem hochaktuellen Stoff szenisch kaum etwas ein

Gregory Kunde als Jean de Leyde – Foto: Bettina Stoess

Mit Giacomo Meyerbeers dritter großer Oper „Le Prophète“ setzt die Deutsche Oper ihre verdienstvolle Rehabilitierung des wohl wichtigsten und erfolgreichsten Opernkomponisten des 19. Jahrhunderts fort. Die Story dieser Grand opéra ist brutal: In Münster verkündet 1534 eine aus den Niederlanden vertriebene Täufergruppe um den Schankwirt Jean van Leyden (Gregory Kunde) eine neue Lehre, die den Weg zu einer Heilsgewissheit und zur radikalen Nachfolge Christi weisen sollte. Doch sie errichtet ein theokratisches Terror-Regime.

Aus dieser historisch verbürgten Geschichte machte das seinerzeitige Erfolgsduo Eugène Scribe/Giacomo Meyerbeer eine hochpolitische Oper, die zeigt, wohin kollektiver Wahnsinn und religiöser Fanatismus führen können.

Was immer im gedanklichen Konzept und an hochaktuellen Anknüpfungspunkten dieses um Missbrauch von Glauben und Religion kreisenden Stücks steckt – Regisseur Oliver Py erstickt alles rettungslos in szenischen Banalitäten und Peinlichkeiten.

Allein die musikalische Umsetzung des rund viereinhalbstündigen Abends durch den Dirigenten Enrique Mazzola lässt keine Wünsche offen. Mazzola bekennt sich mit Esprit und Elan zu den Effekten und Kontrastwirkungen der Partitur, so gewinnt Meyerbeers einst als sensationell empfundene Klangsprache viel an Überzeugungskraft. HERMANN-JOSEF FOHSEL

4.1., 18 Uhr, 7.1., 17 Uhr, Deutsche Oper. Regie: Oliver Py, musikal. Ltg: Enrique Mazzola; mit Bruce Sledge, Ronnita Miller (4.1.), Clémentine Margaine (7.1.). Eintritt 39 – 128 €