Kino

Leave No Trace

Es beginnt mit einem Mann und einem Mädchen, unterwegs in den Wäldern. Was anfangs ein Wochenendtrip sein könnte, erweist sich als selbstgewählte Lebensform am Rande der Gesellschaft: Der Kriegsveteran Will und seine 13-jährige Tochter Tomasin haben sich seit mehreren Jahren in den Wäldern eines Nationalparks in Oregon häuslich eingerichtet – was von Behördenseite als illegal angesehen wird (und natürlich ist es auch nicht erlaubt, Kinder der staatlichen Schulpflicht zu entziehen). Thomasin, deren Mutter früh gestorben ist, hat diesen Zustand als Normalität akzeptiert, auch wenn der Weg in die Stadt mit dem Einkaufen im Supermarkt sie von Zeit zu Zeit in Kontakt mit der Zivilisation bringt. Als die Polizei sie aufgreift, sesshaft macht und Thomasin in die Schule kommt, krempelt das ihr Leben um – genau das, was der Vater nicht will.

Nie schwingt sich dieser Vater – genial besetzt mit Ben Foster, der in vielen Filmen Männern verkörpert hat, die dazu neigen, leicht zu explodieren und angestaute Wut gewaltsam herauszulassen – zum Tyrannen auf, der seinen Nachwuchs mit Worten indoktriniert oder mit Zwang auf Linie bringt, wie es Woody Harrelson in „Schloss aus Glas“ oder Viggo Mortensen in „Captain Fantastic“ machten. Es ist eine absolute Vertrautheit, die diesen Film ausmacht: der beiden miteinander, der beiden mit der Natur, mit den notwendigen Handgriffen, die ihnen ihr Überleben hier sichern – und genauso die Vertrautheit der Filmemacherin mit ihren Figuren.

Leave no Trace
Leave no Trace
Foto: Sony Pictures

Wie schon im Vorgänger „Winter’s Bone“ (und auch in dem dazwischen entstandenen Dokumentarfilm „Stray Dog“) erweist sich die Regisseurin Debra Granik als Ethnografin, die in fremde Gemeinschaften im eigenen Land eintaucht und deren Rituale mit genauem Blick einfängt. War „Winter’s Bone“ auch durch den Zeitdruck geprägt, der auf der Mission der jungen Protagonistin lastete und knüpfte damit an Genremotive an, so erzählt „Leave No Trace“ nun ganz entspannt.

Leave No Trace USA 2018, 109 Min, R: Debra Granik, D: Thomasin McKenzie, Ben Foster, Dale Dickey, Dana Millican, Start: 13.9.

Infos und Termine

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