Berliner Kunsthäuser

Leiko Ikemura bei Liebermann

Leiko Ikemura kennen ältere Ausstellungsbesucher auch als UdK-Professorin. Jetzt zeigt sich die Malerin als gute Freundin von Donata und Wim Wenders

Ihre Gemälde sind wie ein meditativer ­Moment. Stille, menschenleere Landschaften in sanften Brauntönen. Schemenhaft gemalte Kindfrauengesichter in Aquarell und Pastell. Die Ausstellung „Im Atelier ­Liebermann: Leiko Ikemura im Dialog mit Donata und Wim Wenders“ zeigt jedoch nicht nur ihre Malerei. Die Künstlerin erarbeitete mit der befreundeten Fotografin ­Donata Wenders und deren Ehemann, dem Regisseur und Fotografen Wim Wenders, eine gattungsübergreifende Ausstellung im Liebermann Haus am Brandenburger Tor, mit Malerei, Fotografie und Film.

Foto: Patricia Schichl
Leiko Ikemura in ihrem Berliner Atelier. Foto: Patricia Schichl

Die in Berlin lebende Ikemura, die durch ihre poetischen Pinselstriche und skulpturalen Arbeiten auf der ganzen Welt bekannt ist, widmete sich schon früh dem Film, wenn auch eher im Privaten. Der japanische Regisseur Yasujiro Ozu, dessen Film „Tokyo Story“ aus dem Jahr 1953 unter ­Cineasten immer noch als einer der besten aller ­Zeiten gilt, übte einen großen Einfluss auf das Ehepaar Wenders und Ikemura aus. Sie ist vor ­allem fasziniert von dessen unprätentiöser Erzählweise. „Ozu bringt mir meine ­Kindheit wieder sehr nah, mit heiterer Melancholie“, sagt die Künstlerin.

Ihre Kindheit verbrachte Ikemura in der ­japanischen Hafenstadt Tsu. Mit 21 Jahren verließ sie ihre Heimat und ging nach Salamanca in Spanien. Die gesellschaftlichen Anforderungen ihres Geburtslandes empfand sie als beengend. Die Ungewissheit, die ein Leben im Ausland mit sich bringen würde, machte ihr keine Angst. So studierte sie Spanisch sowie die Literatur des Landes und schrieb sich später in Sevilla für ­Malerei ein. Nach dem Abschluss folgten Aufenthalte in der Schweiz, Bonn und Köln.
Ihre abenteuerlichen und spontanen Umzüge und Ikemuras Vertrauen in das Schicksal mündeten fast 20 Jahre später, 1991, in eine Professur für Malerei an der ­Universität der Künste. Doch neben der Lehre, die sie bis 2015 fortsetzte, verfolgte Ikemura ­immer auch ihre eigenen Arbeiten. In Werken wie ihrem Malerei-Film, der in der Ausstellung ebenfalls zu sehen ist, zeigt sich die kosmische Verbundenheit der Künstlerin und ihre Liebe zum Meer in ihrer japanischen Heimat.
Auch Wim und Donata Wenders fühlen sich Japan verbunden. Wenn er dorthin reise, empfinde Wim Wenders ein „Nachhausekommen in ein unbekanntes Land“.
Nach der Nuklearkatastrophe haben die Ehepartner Fukushima besucht. Über das Unglück waren sie tief betroffen. Die ­Fotos, die Wenders vor Ort schoss, vergaß er ­zunächst zu entwickeln. Inzwischen ­hatte die Strahlung den Film in der Kamera zerfressen. Die ausgestellten Aufnahmen sind nun mit seltsamen Sinuskurven gezeichnet, die wie Narben wirken. In diesen Wellen sehen Wenders und die Künstlerin ­Ikemura die Bedrohung allen Lebens gespiegelt. Gleichzeitig spürten sie beim Betrachten der beschädigten Fotografien „eine starke Verbindung zu unserem Planeten“.
Leiko Ikemura ließ sich von der ­Kurve auf Wenders’ Abzügen inspirieren. „Ich ­wollte die Sinuskurve ins Positive verwandeln“, sagt sie. Wer darauf achtet, der findet ­diese Bewegungen immer wieder in der Ausstellung – in ihren magischen, neuen Landschaftsbildern. 

 12.4.–27.5.: Stiftung Brandenburger Tor, Max-Liebermann-Haus, Pariser Platz 7, Mitte, Mo, Mi–Fr 10–18, Sa–So 11–18 Uhr, 4, erm. 3 €, bis 18 J. frei