Kunst

Leiko Ikemura im Anthropozän

Die Künstlerin, die in Berlin lange als Professorin lehrte, zeigt Bilder von der Zerstörungskraft des Menschen

In ihrem Atelierhaus hat Leiko Ikemura ein Modell der Ausstellungsräume im Haus am Waldsee aufgebaut und winzige Kopien ihrer großen Gemälde an dessen Wände gepinnt. Den Anfang ihrer Schau, die vom Werden, Blühen und Vergehen handelt, machen ihre kosmischen inneren Landschaften. Auf dem Boden kleben Papiermodelle ihrer Skulpturen.
Die Künstlerin arbeitet in verschiedenen Medien, zeichnet und malt, stellt Monotypien, Fotos und Filme her, Plastiken aus Terrakotta, Keramik und Bronze, und sie schreibt Gedichte. Ikemura interessieren Zwischenzustände. Geboren und auf­gewachsen ist sie im japanischen Tsu am Pazifik. Der Blick über das Meer zum Hori­zont hat sie geprägt: Annäherung ohne ein wirkliches Zusammenkommen und Sehnsucht nach Unendlichkeit spiegeln sich ständig in ihren Arbeiten.
Die studierte Malerin kam 1991 für eine Professur an der Universität der Künste nach Berlin, 2015 hat sie diese beendet. Ein entscheidendes Datum war 2011: Die Freude über ihre Retrospektive am Natio­nalmuseum in Tokio

Leiko Ikemaru in ihrem Atelier. Foto: Astrid Piethan
Leiko Ikemaru in ihrem Atelier. Foto: Astrid Piethan

wurde von dem Schock über Fukushima überschattet.
In ihrer Ausstellung hängt auch eine Mari­ne-Serie in Öl: In nächtlichem Blau zeigt sie den destruktiven Eingriff der Menschen in die Schöpfung. Das Drama der Menschheit, sagt Leiko Ikemura, sei ihr eigentliches Thema.

Bis 17.4.: Haus am Waldsee, Argentinische Allee 30, Zehlendorf, Di–So 12–18 Uhr,
7/erm. 5 €