Attrappen-Theater

Liberté

Starbesetzte Inszenierung, die so ziemlich alles ist, nur kein Theater. Ein prüder Bühnenwitz

Darf meist sitzen bleiben: Helmut Berger (li.) – Foto: Ursula Kaufmann

Dieser Abend ist auf fetter Clou angelegt. Auf der Bühne: Ingrid Caven (Ex-Fassbinder), Helmut Berger (Ex-Visconti, Ex-Dschungelcamp), Jeanette Spassova (Ex-Castorf-Volksbühne) und Anne Tismer (Neu-Dercon-Volksbühne). Am Regiepult: der katalanische Filmemacher Albert Serra, der mit Werken wie dem entschleunigten Historienstreifen „Der Tod Ludwigs XIV.“ als Arthouse-Juwel gilt.

Auf dem Regiepult eine herrliche Unschuldsräuberpistole, von Serra selbst verfasst: Eine Gräfin, die vom Hofe Ludwigs XV. verbannt wurde, will Freigeist und Frivolität – also „die Libertinage“ – nach Preußen bringen. Vor Berlin strandet sie und bemüht sich nun immerhin, die Novizinnen eines nahegelegenen Klosters zu verderben. Das ist „Liberté“, das Versprechen.

Und dann die Wirklichkeit: ein prüder Bühnenwitz. Libertin-Attrappen im Dilet­tanten-Karussell. Zweieinhalb Stunden werden die unsichtbaren Spieler ins Sänften mühevoll über die Bühne geschunkelt. Sie sprechen, als würden Viertklässler die Dialoge vom Teleprompter ablesen. Die beabsichtigte Stilisierung fällt nur noch als Unzulänglichkeit auf.

Zum Glück liegt tiefes Dämmerlicht über der Bühnenlandschaft mit See, auf deren Hübschheit man sich hier gänzlich verlässt. So bleibt ­immerhin das Erbleichen im Auditorium unbesehen. CHRISTIAN RAKOW

4.3., 19 Uhr, 22. + 23.3., 19.30 Uhr, Volksbühne, Rosa-Luxemburg-Platz, Mitte. Regie: Albert Serra; mit Ingrid Caven, Helmut Berger, Stefano Cassetti, Jeanette Spassova. Eintritt 12–40 €