MODETHEATER

Licht im Kasten

Die sachte Tyrannei der zweiten Haut: Die Brotfabrik durchleuchtet ­satirisch die Mode(l)welt

Modefragen: Natalia Moods, Marion Barten – Foto: Brotfabrik

Elfriede Jelineks 2017 uraufgeführter Text untersucht, was die Autorin nach eigener Auskunft schon immer interessiert hat: die Mode. Das sprachlich dichte ­Material handelt vom Fashion-Irrsinn, der Kaufsucht und von den Produktionsbedingungen der Textil­industrie in der Dritten Welt. Dazu wird in Sequenzen die Mode ganz philosophisch im Spannungsfeld von Sein und Schein betrachtet.

Beim Thema Mode als Surrogat für die Identität setzt die klug konzipierte Aufführung an. Fünf Schauspielerinnen teilen sich in der Inszenierung von Yoshii Riesen und Maximilian Hirsch den Text – und sie gehen über Grenzen. So stehen sie wie Schaufensterpuppen vor dem Pub­likum, aus dem Off dröhnen Sätze von ­Heidi Klum (die als Modelabrichterin in der RTL-Show „Germanys Next Topmodel“ ihre Kandidatinnen ja gern zurechtweist).

Ein komischer Zickenkrieg beginnt samt Modenschau in absonderlichen Verrenkungen bis hin zum Kampf um Textilien. Die Gesten, die Blicke, die überraschenden Brüche im Spiel – alles ist herrlich stimmig. Bizarr, wie die Darstellerinnen in dieser munteren Thea­terstunde immer verrückter ausstaffiert werden. Und gut, dass in stilleren Augenblicken die existenzielle Frage aufscheint: Wer bin ich eigentlich in dieser Fashion-Welt? AXEL SCHALK

21.–23.11., 20 Uhr, Brotfabrik, Caligariplatz 1, Weißensee. Regie: Yoshii Riesen / Maximilian Hirsch; mit Sabrina Pollinger, Adriana Thiel, Marion Barten, Natalia Muths, Lorella Lubsch. Eintritt 13,50, erm. 9 €