Dokumentarfilm

Liebe auf Sibirisch

Südöstliches Sibirien, unendliche Himmelsbläue, Subsistenzwirtschaft. Luft genug, um zu atmen, sagt der Patriarch zu seiner Cousine, nicht wie im Westen, sie solle den langen Rock übers Knie heben und ihr Fleisch zu Markte tragen, Ware sei sie als Frau, richtig zu präsentieren.

Liebe auf sibirisch
Foto: DropoutCinema Olga Delane

Als Frau unvollkommen, urteilen wenig später die Dorffrauen nicht ohne Verachtung. Olga, die Filmemacherin ist nicht von hier, aber mit halb Onon-Borzja verwandt. Das Dorf mustert freimütig die Unverheiratete und Kinderlose, die den längeren Teil ihres 37-jährigen Lebens in Berlin verbracht hat. Die Exilrussin rächt sich, indem sie einen halben Film lang den Clash-of-Culture in Sachen Emanzipation zum Dauerwitz macht. Feminismus? Was ist das?

Der Blick stimmt, beidseitig. Es ist ausreichend Nähe da, um liebevoll, und genug Distanz, um offen zueinander zu sein.

Aber am Ende ist nicht genug Luft zum Leben dagewesen. Ira, die Frau des Patriarchen, ist, unvermittelt für die Jahre umspannende Dokumentation, nach Tschita, in die nächstgelegene Stadt gezogen, und nach zehn Tagen wieder zurück aufs Dorf zu ihrem Mann, nunmehr ihres Lebenstraumes beraubt.

Ljuba spricht unverhohlen davon, das sich ihr Leben nicht von dem ihrer Schweine unterscheide, abgesehen von den Zigaretten. Die Frauen sind sich ohnehin einig, dass Olga dasselbe Schicksal ereilte, würde sie im Dorf heiraten. Die jüngste Mutter ist keine 20. Kinderkriegen als Lebensziel, Kinderhaben als Ehefalle.

Klassenziel verfehlt für einen Film, der sich die Zivilisationskritik im erhabenen Wechsel der Jahreszeiten auf die Fahnen geschrieben hat und mit tradierten Geschlechterrollen kokettiert, um im Exil einen Begriff von Heimat zu haben.

Sibirian Love (OT), D 2016, 86 Min., R: Olga Delane, Start: 16.11.

Liebe auf Sibirisch: Ohne Ehemann bist du keine Frau!

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