Kino

Lieber Leben

Grand Corps Malade („Großer kranker Körper“) – was für ein Künstlername für einen Rapper. Und bei dem französischen Musiker hat das einen Hintergrund: Vor 20 Jahren wurde er durch einen Sprung in ein Schwimmbad teilweise gelähmt. Zusammen mit Clipregisseur Mehdi Idir hat er nun seine eigene Geschichte verfilmt – und dabei ein besonderes Gewicht auf durchaus komische Momente gelegt.

Bloß nicht aufgeben: Ben (Pablo Pauly) nach seinem Unfall
Foto: Neue Visionen

Ein dämlicher Sprung in ein Schwimmbecken mit zu wenig Wasser – schon ist es passiert: Mit einer sogenannten inkompletten Tetraplegie, also einer Querschnittlähmung, bei der alle vier Gliedmaßen betroffen sind, landet Ben in einer Reha-Klinik. Der junge Mann wollte Sportlehrer werden und träumte zudem von einer Karriere als Basketballspieler. Nun trifft er auf Menschen mit einem ähnlichen Schicksal: Fahrid, auch mental ein echter Profi-Rolli, der stets coole Toussaint, der mitunter depressive Steeve und Samia, eine bildhübsche junge Frau, auf die Ben schnell ein Auge geworfen hat. Was die Gehandicapten-Gang auszeichnet, ist ihr unglaublicher Galgenhumor. Hier in der Klinik sind sie keine Außenseiter, hier können sie sich unterstützen, über Hoffnungen und Pläne reden und auch mal einen Joint durchziehen. Aber was wird nach der Therapie? Und bringt die überhaupt was?

Die Reha-Szenerie wirkt ebenso authentisch wie der Umgang der Patienten miteinander. Denn die Regisseure bleiben ganz nah dran an ihren Figuren, lauschen intimen Gesprächen, schildern die wiederkehrenden Probleme des Behindertenalltags – und machen mit ihrem Film Mut, auch in scheinbar aussichtsloser Lage nicht aufzugeben.
Dieser Appell gewinnt natürlich zusätzliche Kraft daraus, dass der Film auch in diesem Punkt mit der realen Geschichte korrespondiert. Der 1977 in Le Blanc Mesnil geborene Fabien Marsaud alias Grand Corps Malade betätigte sich seit 2003 in der Poetry-Slam-Szene, ehe ihn sein Rap-Album „Midi 20“ 2006 in die Spitze der französischen Charts katapultierte. Seither sind fünf weitere erfolgreiche Alben des Künstlers erschienen.

„Patients“,  F 2016, 111 Min., R: Grand Corps Malade und Mehdi Idir, D: Pablo Pauly, Soufiane Guerrab, Moussa Mansaly, Nailia Harzoune

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