Kino

Liebesfilm

„Nur, weil da zwei Akteure vor der ­Kamera stehen und authentisch wirken, fragen sich einige, ob es improvisiert ist. Nein, ist es nicht. Das Buch ist einfach so geschrieben wie Menschen reden.“ Das sagt Lana Cooper im Zitty-Interview (Heft 8/2019). Und wirklich: Eine der großen Stärken dieses ungewöhnlichen „Liebesfilms“ ist die Natürlichkeit der Figuren, ohne gestelzte ­Drehbucheinlassungen, ohne Sätze, die gesagt werden müssen, um die Handlung umständlich zu erklären.

Sommer und Liebe in Berlin: Lana Cooper und Eric Klotzsch
Foto: Grandfilm,

Cooper spielt Ira. Die geht auf die 40 zu, macht irgendetwas Technisches im Sicherheitsbereich und muss deshalb viel reisen. An einem Lagerfeuer lernt sie Lenz (Eric Klotzsch) kennen. Der ist um die 30 und macht – nichts. Es ist Liebe auf den ersten Blick: Feiern, Streiten, Sich-Versöhnen, einfach Zusammensein. Doch eines Tages stellt Ira diese eine, bei ihrem Lover Panik auslösende Frage: Ob es Lenz sich denn vorstellen könne, ein Kind mit ihr zu bekommen? Doch der möchte am liebsten für immer Anfang 30 im Mai in Berlin sein und das Leben ausgiebig feiern. Also macht er sich aus dem Staub, eine bestens ­eingeübte Methode.

Robert Bohrer und Emma Rosa Simon haben an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb) studiert, wurden ein Paar und konnten schon einige Kurzfilme realisieren. Mit „Liebesfilm“ legen sie nun den Abschlussfilm vor. Es darf munter gemutmaßt werden, wie viel Autobiografisches in diesen nur auf den ersten Blick leichten Sommerfilm eingeflossen ist.

Der Clou: Wiederholt begegnen Lenz in Tagträumen Männer des Weltgeschehens, etwa der italienische Macho-­Kapitän der havarier­ten Costa Concordia oder ein US-Afghanistan-Soldat. Von diesen ­Typen Beziehungstipps zu erhalten, das hilft Lenz nicht wirklich, ist aber von der Regie ein hübscher Dreh, um die Beziehung von Ira und Lenz nicht im luftleeren Raum hängen zu lassen, sondern auf schräge ­Weise anzudeuten, dass im Grunde alles mit ­allem zusammenhängt. Ein erfrischendes Langfilmdebüt, das beim Achtung ­Berlin Festival soeben den Preis für die Beste ­Regie und das Beste Drehbuch eingeheimst hat.

D 2018, 83 Min., R: Robert Bohrer & Emma Rosa Simon, D: Lana Cooper, Eric Klotzsch, Gery Zint, Start: 2.5.

https://www.zitty.de/event/komoedie/liebesfilm-2019/