Kino

Lindenberg! Mach dein Ding

Sein „Ding“ hat Udo Lindenberg eigentlich immer gemacht, seit er 1973 als einer der Pioniere deutschsprachiger Rockmusik seinen kommerziellen Durchbruch erlebte. Seine sehr spezielle Mischung aus Schnodderigkeit und Sensibilität wurde so sehr zu einem Markenzeichen, dass der Sänger mittlerweile längst Gefahr läuft, als seine eigene Karikatur aufzutreten. Insofern erscheint es nur konsequent, dass Hermine Huntgeburths Biopic „Lindenberg! Mach dein Ding“ lediglich die frühen Jahre seines Werdegangs erzählt, als der aus dem Westfälischen stammende Jazz- und Rockschlagzeuger Udo Lindenberg Anfang der 70er-Jahre in Hamburg an einer Karriere bastelt, die ihn schließlich als Frontmann seines Panikorchesters sehen wird.

Udo macht sein Ding
Foto: Sandra Hoever

Der 23-jährige Jan Bülow gibt in seiner ersten Kino-Hauptrolle einen dynamischen Udo, dessen Großkotzigkeit die eigenen Ängste und Unsicherheiten nur mühsam kaschieren kann. Vielleicht handeln deshalb die gelungensten Szenen von Udos Frauengeschichten: Da gibt es eine eifersüchtige Prostituierte in Hamburg, die ihm in sexueller Hinsicht ein Licht aufsteckt, sowie eine junge Mutter in Ost-Berlin, zu der eine längerfristige Beziehung möglich schiene, wären die Umstände etwas unkomplizierter. Am schönsten ist eine romantische Rückblende in die Jugend, in der Udo für ein schon etwas älteres Mädchen schwärmt, das im Freibad Turmspringen übt. Der Film kommt immer wieder darauf zurück – am Ende wird Lindenberg ihr einen Song widmen.

Etwas zäh gestaltet sich hingegen die Darstellung all jener Gründe, warum es mit der Karriere anfangs nicht recht klappen will: Szenen, in denen er Freunde und Mitmusiker mit herablassender Arroganz behandelt, sowie Rückblenden in die Kindheit, in denen der Vater bei ihm ein Trauma auslöst, weil er unentwegt erklärt, aus den Lindenbergs würde sowieso nie etwas werden, wiederholt der Plot mit ermüdender Penetranz. Das wäre wohl auch ein bisschen flotter gegangen, der Film macht es bei einem Bühnenauftritt Udos ja selbst vor: besoffen hinfallen, wieder aufrappeln, und dann ist eben doch alles klar auf der Andrea Doria.

D 2019, 139 Min., R: Hermine Huntgeburth, D: Jan Bülow, Julia Jentsch, Charly Hübner, Detlev Buck, Ruby O. Fee, Start: 16.1.

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