Kunst

Louise Bourgeois

Mit Louise Bourgeois (1911–2010) geht es tief in die Urgründe des Kunstmachens. Ängste und deren Sublimationen spielen eine große Rolle. Der Stoff stammt bei Bourgeois meist aus Familie und Kindheit, also aus Zeiten und Sphären, in ­denen der Psyche einiges abverlangt wird. Heikel wird es vor allem dann, wenn komplexe und komplizierte Beziehungen sich bilden, entwickeln und auch wieder lösen müssen. So bei Mutterschaft und Toch­terrolle, wie bei Statusfragen in der Familienkonstellation überhaupt. Das Haus, in dem sich Familienleben abspielt(e), war für Bourgeois Metapher.

Foto: Andrea Rossetti
Blick in die Ausstellung „Louise Bourgeois: The Empty House“, Teil im Untergeschoss des Schinkel-Pavillions. © The Easton Foundation/VG Bild-Kunst, Foto: Andrea Rossetti

Es möchte gefüllt sein, nicht leer. „The Empty House“ als Titel dieser museumswürdigen Schau des Projektraums Schinkel Pavillon ist daher missverständlich. Denn das Haus ist hier mit symbolisch aufgeladen Installationen und Skulpturen gefüllt. Exzeptionell an ihnen ist nicht nur Bourgeois’ Kraft der Vergegenwärtigung von Emotionen, sondern dass Bedeutung nicht nur behauptet wird (wie heute so oft), sondern in der Form aufgeht. Etwa bei jenem krude aussehenden Puppenpaar, wie es nackt und eng umschlungenen unter rosa Tüll in einer Art marmornen Kleenex-Box liegt. Hier ist die Ambivalenz zwischen Nähe und Gefangenschaft, Kuschelbett und Sarg, Lebensstiftung und Todesahnung sinnbildlich gemacht – und eindringlicher als Worte es könnten. Großartig. 

Bis 29.7.: Schinkel-Pavillon, Oberwallstr. 1, Mitte, Do–So 12–18 Uhr, 4/ erm. 3 €