Kino

Love After Love

Der Tod eines geliebten Menschen verändert vieles, so auch das Krebs-Sterben des Familienvaters Glenn – vorhersehbar und dennoch in seiner Brutalität tragisch. Dabei wird nichts ausgespart, weder das nächtliche Röcheln und Keuchen noch die komplette Hilflosigkeit. Die Familie trauert, doch sie geht auch wieder in ­eine Art Alltag über. Normalität und Abnormales auf Messers Schneide.

Wie sich Familienliebe nach einem ­Verlust verändert, erkunden hier eine ­charmante Andie MacDowell und ihre Filmfamilie. Der eine Sohn stürzt sich in belanglose ­Affären, der andere wendet sich dem ­Alkohol zu. Und wie reagieren Familie und Freunde, wenn die Mutter bald einen neuen Freund vorstellt? In teilweise unscharfen Bildern, die wohl einen getrübten nostalgischen Blick symbolisieren, zeigt der Film ­Entwicklungen in ­einer US-Familie der Mittelschicht, ohne ­dabei so recht zu wissen, wohin mit der Story. Die Farbgebung und typisch langsame ­Erzählweise von Independentfilmen erinnern stark an Kelly Reichardts „Certain Women“.

Chris O’Dowd und Juliet Rylance
Foto: Kinostar

Leider gibt es eher ­zusammenhangslose Szenen, die tiefergehende Betrachtung erschweren. Bevor das Drama so richtig in Fahrt kommt, ist es auch schon wieder vorbei. Auch wenn die stagnierende Kamera nah an den Emotionen der Figuren bleibt, bauen sich keine Sympathien beim Zuschauer auf. Die Charaktere bleiben flach und unzugänglich – so richtig will die szenische Wintertristesse diesen Sommer nicht zünden.     
Nora Stavenhagen

USA 2017, 90 Min.; R: Russel Harbaugh, D: Andie MacDowell, Chris O’Dowd, Start: 1.8.

Im Kino:

https://www.zitty.de/event/kino/love-after-love/