Love and Hate

Sprachnachrichten

Sprachnachrichten auf dem Handy. Ganz ehrlich: Niemand mag die, oder?


Keine Informationen, nur Liebe

Xenia Balzereit erzählt in Sprachnachrichten Anekdoten, die viel zu lang zum Abtippen sind
Foto: F. Anthea Schaap

Ich oute mich hiermit als Sprachnachrichtenverfasserin. Ich bin die, die euch die zweiminütigen Sprachnachrichten schickt, wegen denen ihr euch eine stille Ecke im Büro sucht. Ich weiß, ihr habt allen Grund, mich deswegen zu hassen. Denn Sprachnachrichten sind egoistisch. Während ich mit minimaler Anstrengung meine Nachricht ins Telefon flöte, müsst ihr euch anstrengen, um sie zu empfangen. 

Aber da sind wir schon bei den Vorteilen: Ich säusele, singe, lamentiere. Wenn ich Sprachnachrichten verschicke, dann sind da keine wichtigen Infos drin. Sondern Freundschaftsbekundungen. Oder Schimpftiraden auf den Typen, der im Club immer weiter zurückgetanzt ist, bis ich keinen Platz mehr hatte. Es sind gelallte Interpretationen von Britneys „Oops I did it again“ und Anekdoten aus meinem Alltag, die immer mit „Weißt du, was gerade passiert ist?“ anfangen. Und viel zu lang sind, um sie abzutippen.

Manchmal auch Entschuldigungen. Wenn die Chatpartner*innen so lange auf eine Antwort gewartet haben, dass sie ein „Hi, mir geht’s gut und dir?“ nur als Affront verstehen können, kann eine Sprachnachricht die Wogen glätten. Weil sie echte Reue besser transportiert (ein Anruf würde es natürlich auch tun, aber weil so viele Menschen Angst vorm Telefonieren haben, habe ich das aufgegeben).

Wer jetzt sagt, dass keiner vorher wissen könne, ob meine Sprachnachrichten wichtige Informationen enthalten, dem sage ich: Dann hört sie halt später ab. In der Zwischenzeit könnt ihr euch in Geduld üben und habt mehr Zeit zum Arbeiten. Wenn’s was Wichtiges wäre, würde ich mich schon nochmal melden.


Quatscht mir nicht mein Handy voll!

Erik Heier hält Sprachnachrichten für den sinnlosesten aller Kommunikationswege
Foto: F. Anthea Schaap

Die Menschen haben viele wichtige, intelligente, sinnvolle Dinge erdacht. Sachen, die die Welt besser machten. Die Glühbirne, trockenen Weißwein, den Rock’n’Roll. 

Aber dann erfand irgendein Technologie-Trottel die Handy-Sprachnachricht.

Unter allen möglichen Kommunikationswegen – Rauchzeichen, Telefone, Pager, E-Mails, Ausdruckstanz – ist die Sprachnachricht die bekloppteste, sinnloseste. Vernünftige Menschen schicken eine SMS, eine Whatsapp-Nachricht, irgendwas auf Facebook. Schrift, die man lesen kann. Schnell, langsam, später. Eine Sprachnachricht dagegen ist erst mal nur das dreieckige „Play“-Icon, ein Balken und die Zeitangabe, die sie dauert. Das kann alles Mögliche sein. Ich liebe dich. Heute ins Kino? Die Wohnung brennt. Milch ist alle. Ich lass mich scheiden.

Man weiß es nicht. Und klickt drauf. 

Alles begann damit, dass mein Bruder Sprachnachrichten entdeckte. Und fortan mitunter mit großer Ausdauer minutenlange Botschaften ins Mikro parlierte. Irgendwann war ich schon genervt, wenn nur der Signalton eine neue Nachricht anzeigte.

Vielleicht liegt es ja an mir. Es gelingt mir nie, eine Sprachnachricht auf dem Handy leise abzuspielen. Besonders ärgerlich, wenn man sie etwa in der Tram erhält. Ich besitze eines dieser chinesischen Modelle, vor denen jetzt alle warnen. Spionage und so. Mein Handy kann eben nichts für sich behalten. Sprachnachrichten erst recht nicht. 

Mittlerweile haben viele Fahrgäste der M4 schon mal von meinem Bruder gehört.

Deshalb, liebe Leute, quatscht mir nicht mein Handy voll! Wenn ich euch zuhören soll, ruft mich an. Dann kann ich wenigstens sagen: „Fass dich bitte kürzer!“