Kino

Loveless

Ein Paar aus der russischen Mittelschicht in Moskau hat sich auseinandergelebt. Der Mann und die Frau haben neue ­Partner, mit dem gemeinsamen Sohn wollen beide möglichst wenig zu tun haben. Der Junge zieht die verzweifelte Konsequenz: Er ­verschwindet. Eine groß angelegte Suchaktion einer leicht paramilitärisch wirken­den Freiwilligenorganisation führt weiter ins Niemandsland und zu einem denkwürdigen Besuch bei einer postsowjetischen Monstermutter.

Loveless
Foto: Alpenrepublik

Irgendwo muss die Lieblosigkeit ja herkommen, von der Andrey Zvyagintsev hier erzählt. Sie steckt aber auch in den Gebäuden und im Klima – und in den kühlen, oft halbdunklen Bildern. Im Radio und im Fernsehen wird Geschichte gemacht, die Stimmung ist apokalyptisch, der ­Ukrainekonflikt beginnt. Die Menschen, aus denen sich eine Zivilgesellschaft bilden könnte, zeigt Zvyagintsev als hoffnungslos verloren und sinnlos materialistisch.

2014 erzählte der aus Nowosibirsk stammende Regisseur in „Leviathan“ eine Geschichte aus der russischen Provinz, in der die Korruption und Rechtlosigkeit des Landes wie in einem Modell erkennbar war. Nun wendet Zvyagintsev sich den Menschen zu, von denen am ehesten eine Erneuerung der Gesellschaft zu erwarten sein könnte. Sein Befund könnte pessimistischer nicht sein. Ein spannendes Drama – und ein wichtiger Film über das heutige Russland. 

„Nelyubov“, RUS/F/B/D 2017, 127 Min., R: Andrey Zvyagintsev, D: Maryana Spyvak, Alexey Rozin, Matvey Novikov

https://www.zitty.de/event/drama/loveless-2018/