Kino

Luft zum Atmen – 40 Jahre Opposition bei Opel in Bochum

Das Opel-Werk in Bochum, 1962 eröffnet, war mal die größte Auto-Produktionsstätte Europas mit einer Belegschaft von über 20.000 Menschen. Zwischen 1993 und 2010 wurde die Zahl auf 5.000 reduziert, 2014 wurde das Werk von General Motors ganz geschlossen. Diese Doku erzählt den Werde- und Untergang des einstigen Prunkstücks der deutschen Autoindustrie aus Sicht der 1972 gegründeten Gruppe oppositioneller Gewerkschafter (GoG). Er erzählt diese Geschichte parteiisch, mit großer Sympathie für die einst revolutionären Ideale und wirkt deshalb – trotz seines filmisch wenig spannenden TV-Reportageformats – sehr erfrischend.

Alles was uns fehlt, ist die Solidarität
Foto: labournet.tv

Die GoG entstand aus der 1968er-Bewegung heraus und orientierte sich an den radikaleren französischen Arbeitern. Mitte der 70er-Jahre war die GoG eine gewichtige Stimme im Betriebsrat des Opel-Werks. Stress mit den bestimmen­den Betriebsräten der IG Metall war vorprogrammiert. Der Kampf für bessere Arbeitsbedingungen entwickelte sich in den 1990ern zu Abwehrkämpfen gegen den Stellenabbau. Ausführlich thematisiert der Film das letzte große Aufbäumen der GoG beim wilden Streik im Oktober 2004. Der fürs Ruhrgebiet typische gewerkschaftlich-sozialdemokratische Filz behielt die Oberhand, ein Jahrzehnt später war Opel in Bochum Geschichte. Doch trotz aller Niederlagen ist dies ein Plädoyer für Selbstorganisation und Selbstermächtigung. Denn wer nicht kämpft …

D 2019, 70 Min., R: Johanna Schellhagen, Start: 2.5.

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