WESTBAMS Club-ABC

M wie Metropol

Als ich 1982 das Metropol zum ersten Mal betrat, war es eine Erleuchtung! Aus dem Trockeneisnebel kamen kettenrasselnde Lederschwule, und dann trat man in diese hysterische Kathedrale der Verstörung, in ein energiegeladenes Sodom & Gomorrha, wo der Beat niemals aufhörte und das Publikum jeden gelungenen Mix mit Geschrei und Trillerpfeifen zelebrierte –  ich hatte sowas noch nie zuvor gehört oder gesehen. Man kletterte hinauf in den ersten Stock, dort war ein wohlbeleuchter Glaskasten, in dem ein legendärer DJ namens Kris ein Hi-Energy-Gewitter entfachte, und ich fragte mich, dahinter stehend: Wie macht der das bloß?
Tatsächlich rankten sich um die Metropol-Musik die verrücktesten Geschichten und Gerüchte. Manche vermuteten, Kris würde geheime Mastertapes mit Percussionmixen direkt aus dem Studio des Flirts- und Divine-Produzenten Bobby O. aus New York beziehen. Es hieß, die Ku’damm-Zuhälter würden schier astronomische 200 DM für eine einzelne Mixkassette von Kris bezahlen.
Das Schicksal wollte es, dass ich gerade mal zwei Jahre später, 1984, selber das erste Mal im Metropol auflegen durfte. Bis heute ist mir in Erinnerung geblieben, dass schon nach zwei bis drei Platten, die ich gespielt hatte, diverse Leute an der Kanzel auftauchten und mich genau abcheckten  á la „Wer is’n ditte jetzte? Was passiert hier?“ Ein Strobo, eine Bassdrum, die die 130bpm nie verlässt, eine hysterische Crowd im dunklen Laden – hier wurden die 90er Jahre sehr früh erfunden.

Lage: am Nollendorfplatz an der Stelle des heutigen Goya
Zeitpunkt des Besuchs: 1982, als DJ ab 1984/85
Typischer Track des Ladens: Eastbound Xpressway – Primitive Desire

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