SCHAUERDRAMA

Macbeth

Ein blutiges Gemetzel zelebriert ­Michael Thalheimer in seiner Shakespeare/Heiner Müller-Inszenierung.

Ein blutiges Gemetzel: Sascha Nathan, Niklas Kohrt, Kathrin Wehlisch, Ingo Hülsmann, Tilo Nest (v.l.) – Foto: Matthias Horn

Michael Thalheimer, dieser Meister des verdichteten Vorspiels, kreiert auch in diesem, von Heiner Müller bearbeiteten Shakespeare-Klassiker ungemein starke zehn Anfangssekunden. Eine Blut verschmierte Gestalt schmiegt sich an eine zweite. Sie lockt und neckt sie, fasst ihr dann kräftig zwischen die Beine.

Ge- und ergriffen ist Ingo Hülsmann als bald hingemetzelter König Duncan, Katrin Wehlisch die übergriffige Hexe. Macbeth selbst taucht in dieser ersten Szene gar nicht auf. Aber sie bringt auf den Punkt, worum der ganze nebelgesättigte, düster dräuende Abend sich dreht: Machtgier und Todestrieb, Enthemmung und posttraumatische Belastungsstörung.

Macbeth-Darsteller Sascha Nathan läuft dabei zu einer grandiosen Performance der Mittelmäßigkeit auf. Er wütet und greint, zeigt seinen Schmerbauch, ist Kind und Killer. Sein Macbeth ist kein prächtiger Souverän, sondern lediglich Werkzeug eines Schreckens, das von der Mittelmäßigkeit geboren wird. Nämlich dann, wenn sie an die Macht will, wenn die minder Begabten die Herrschaft anstreben und diese in all ihrer Überforderung mit Schock und Terror, mit der Ausmerzung der Anderen erst erringen und dann verteidigen.

So gesehen ist dieser Grusel-„Macbeth“ glattweg ein Kommentar zu AfD und Pegida: Schrecken eben, geboren aus Mittelmaß. Toll. TOM MUSTROPH

7. + 12.1., 19.30 Uhr, Berliner Ensemble, Bertolt-Brecht-Platz 1, Mitte. Regie: Michael Thal­hei­mer, mit Sascha Nathan, Kathrin Wehlisch, Constanze Becker u.a. Eintritt 13 – 42, erm. 9 €