THEATERINSTALLATION

Märchenträume und -räume

Das post theater führt Menschen von 6 bis 106 in „HexenHüttenTraumPaläste“

Parcours zu Trickfilm-Installa­tionen und Märchenarchitekturen – Foto: Franz Kleinbach

Text: Friedhelm Teicke

Die wohl bekanntesten Märchenonkel der Welt sind Berliner. Ihre letzten Lebensjahre lebten die Gebrüder Grimm in Tiergarten, ihre ­letzte Ruhestätte haben Jakob und Wilhelm in Schöneberg – auf dem ­Alten St.-Matthäus-Friedhof. Ihre berühmte Sammlung der „Kinder- und Hausmärchen“ machte nicht nur ­Figuren wie Aschenputtel, Rotkäppchen, Rumpelstilzchen und Schneewittchen zu Weltstars, sie enthält auch architektonisch Phantastisches: Merkwürdige Gebäude spielen darin mitunter eine ­Rolle, etwa ein leckeres Pfefferkuchenhaus, ein bewohnter Glasberg, ein türloser Turm, ein verhexter Eisenofen, ein aus der Zeit gefallenes Dornenheckenschloss …

Das Berliner post theater nimmt sich in seiner ­neuen multimedialen Theaterinstallation solch seltsamer Märchenräume an. Mit „HexenHüttenTraumPaläste“ knüpft die interdisziplinär arbeitende Gruppe um die japanische Medienkünstlerin Hiroko Tana­hashi und den Dramaturgen Max Schumacher an ihr begehbares Bilderbuch „I in Wonderland“ an, einem überaus erfolgreichen Theaterparcours auf den fantastischen Spuren von „Alice in Wonderland“ und „The Wizard of Oz“.

Auch in dem Theaterlabyrinth zu den Märchengebäuden der Grimms werden die Zuschauer wieder in Gruppen zum Teil des Geschehens. Und Reiseführer sind natürlich märchenhafte Figu­ren, die geradewegs aus der Grimm’schen Sammlung entsprungen sein könnten.

Hinter dem phantasischen Mulitmedia­ge­schehen stehen – wie meist im Märchen – Fragen der Moral. Etwa das sehr aktuelle Thema: Wie gerecht ist Erben? 

Um das Erbe der Grimm-Brüder schwelte übrigens lange Streit zwischen Kassel und Hessen, allein die fünf Privat-Ausfertigungen ihrer Hausmärchen-Sammlung mit handschriftlichen Notizen sind heute rund 15 Millionen Euro wert. Dabei war die finanzielle Situation der Grimms in Kassel eher prekär, bevor der preußische König Friedrich Wilhelm IV. sie nach Berlin holte. Geerbt hat ihren Nachlass dann gleichwohl Kassel. Ob das gerecht ist?

27.12., stdl. 15-20 Uhr, 28.–30.12., 2.–6.1., stdl. 11-20 Uhr, Theaterdiscounter, Klosterstr. 44, Mitte. Regie: Hiroko Tanahashi, Max Schumacher; mit Mareile Metzner, Erbil Ayalp, Patrick Khatami, Max Schumacher. Eintritt 14, erm. 9 €, bis 16 J.: 7 € (Karten nur im Online-VVK: www.theaterdiscounter.de/tickets)

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