DRAMA

März

Ein junges Schaubühnen-Team verhebt sich mit Heinar Kipphardts Dramatisierung seines „März“- Romans.

Christus-Pose: Konrad Singer, Veronika Bachfischer – Foto: Thomas Aurin

Heinar Kipphardts 1976 erschienener ­Roman „März“ war ein Kultbuch, die Verfilmung mit Ernst Jakobi in der Titelrolle ist legendär. Inspiriert durch das Werk des schizophrenen Dichters Ernst Herbeck und die psychoanalytischen Studien Leo Navratils, zeichnet Kipphardt das Leben des Alexander März, Insasse einer psychiatrischen Anstalt, auf.

Es ist weniger ein Psychiatrie-Roman, sondern das Porträt eines Außenseiters, eines Verweigerers, der durch kleinbürgerliche Verhältnisse kaputt geht. März bricht mit der Mitinsassin Hanna aus, wird aber wieder eingefangen. Zurück in der Anstalt bleibt der „Verrückte“ sich treu, er funktioniert nicht. Am Ende verbrennt er sich in der Christus-Pose.

Der Text formuliert eine Befreiungs­vision. Von der harten Gesellschaftsdiagnose bleibt in der allzu wortlastigen Inszenierung des Jungregisseurs David Stöhrs – es ist seine Debütregie am Haus – wenig übrig, von inszenatorischem Zugriff keine Spur.

Das statische und uninspirierte Spiel der drei Darsteller erzählt nur die traurige Geschichte. Der Psychiater spricht mit seinem Patienten, März (Konrad Singer) spielt in den gedehnten Szenen irgendwann nackt – dazwischen agiert die Mitpatientin Hanna (Veronika Bachfischer), Laufstege werden hin und her geschoben. Falls das illustrieren soll, dass der Mensch Brüche in sich hat, ist das kaum gelungen. Ärgerliche 100 Minuten. AXEL SCHALK

4., 5.+ 6.3., 19.30 Uhr, Schaubühne am Lehniner Platz, Wilmersdorf. Regie: David Stöhr; mit Veronika Bachfischer, David Ruland, Konrad Singer. Eintritt 7–33, erm. 9 €