KINDERTHEATER

Magdeburg hieß früher Madagaskar

Rasantes Stück um Gewalt gegen Kinder

Weggucken ist nicht: Frederic Phung, Jens Mondalski – Vorabfoto: David Baltzer / bildbuehne.de

Frankie wundert sich, dass sein ­Kumpel Lars nicht in der Schule war und besucht ihn zuhause. Aber die Mutter will ihn nicht hereinlassen: Sie hat Lars in einem unbeherrschten Moment eine so kräf­tige Ohrfeige verpasst, dass der nun mit einem blauen Auge im Kinderzimmer sitzt. Die familiäre Situation erscheint etwas unklar. Offenbar ist der Schlag eine ­Ausnahme, andererseits streiten sich die Eltern ständig.

Nach dem erfolgreichen Jugendstück „Cengiz und Locke“ ist dies die zweite ­Inszenierung eines Stücks des ­bekannten Autoren Zoran Drvenkar am Grips Thea­ter. Drvenkar hat hier kein typisches Sozial­stück, sondern eher eine warmherzige Freundschaftsgeschichte oder ein modernes Märchen geschrieben.

Frankie beschließt, bei seinem Freund Lars einzuziehen, bis es dem besser geht. Weggucken ist nicht. Er konfrontiert die Erwachsenen mit der Situation, stößt einen Prozess des Nachdenkens und Versöhnens an.

Regisseur Frank Panhans antwortet auf die knappen Dialoge Drvenkars, in denen jedes Wort sitzt, mit einem reduzierten Bühnenbild und einer körperlich-kreativen Spielweise. Stummfilm, Comic, Slapstick – alles pointiert untermalt mit dem illustra­tiven Klavierspiel von Nina Schwartz. Die Schauspieler möchte man küssen, so liebe­voll und witzig geben sie ihre Figuren.

Ein Glücksfall für das Grips – und fürs Publikum. REGINE BRUCKMANN

17.–19.4., 10 Uhr, Grips Mitte, Klosterstr. 68, Mitte. Regie: Frank Panhans; mit Regine Seidler, Jens Mondalski. Eintritt 11, erm. 7 €