Der Stammgast

Maha Alusi

160.000 Menschen ziehen jedes Jahr nach Berlin. 71.000 davon kommen nicht aus Deutschland. Sie haben auch mal kulinarisches Heimweh. Wo sie dann essen, verraten sie in dieser Serie. Diesmal: Maha Alusi

Maha AlusiFoto: Patricia Schichl
Maha Alusi
Foto: Patricia Schichl

Irakisch: Unpünktlichkeit ist für Maha Alusi kein Problem. Als Autorin von Büchern wie „Moments of Happiness“ und Erfinderin der „Time-Academy“ geht sie mit Zeit großzügig um. Entsprechend schnell verfliegen drei Stunden mit ihr im armenischen Restaurant „Semiramis“. Maha Alusi, die seit 1993 in Berlin lebt, erzählt, wie sie einmal zu Ehren ihres verstorbenen Vaters ein Lamm im Schlammofen grillte und dabei den besten Bäcker Kreuzköllns kennenlernte, wie sie ein anderes Mal für ihre Kinder und 60 ­Gäste die Kubba genannten Bulgurknödel zubereitete, wie wenig Geld sie während ihrer Studienzeit in London hatte und wie gut es ihr trotzdem ging, denn am Essen sparte sie nie.

Egal, wie ihre finanzielle Situation gerade war: Am Essen hat die Autorin Maha Alusi nie gespart. Deshalb ging es ihr auch immer gut. Hummus macht glücklichFoto: Patricia Schichl
Egal, wie ihre finanzielle Situation gerade war: Am Essen hat die Autorin Maha Alusi nie gespart. Deshalb ging es ihr auch immer gut. Hummus macht glücklich
Foto: Patricia Schichl

Währenddessen trägt der Chef Platte um Platte auf, Hummus, gefüllte Weinblätter, saure Gurken, Falafel, Halloumi, Fetasalat, gegrillte Scampis. Für die macht die Eigentlich-Vegetarierin eine Ausnahme. Die 49-Jährige erzählt, woraus die irakische Küche besteht: Reis und Grillfleisch. Halloumi und Falafel kommen aus dem Libanon und in unserem Fall vom Falafel­laden nebenan. Warum sind wir nicht in einem irakischen Restaurant? Alusi holt aus … und spätestens jetzt löst sie das Versprechen ihrer Herkunft ein. Ihre Vorfahren waren Geschichtenerzähler und neben ihrer Tätigkeit als Architektin, Autorin und Dozentin ist sie vor allem das: eine Erzählerin. Zum Nachtisch gibt es Napoleontorte von einer russischen Bäckerin aus der Nachbarschaft. Es fehle Berlin, sagt Alusi, an guten irakischen Restaurants. Deswegen sei sie so oft im „Semiramis“. Heimat ist formbar, so wie das Schicksal.

Semiramis, Dahlmannstr. 20, Charlottenburg, U Adenauer­platz, Tel. 32 30 35 31, Mo–Sa ab 18 Uhr, www.semiramis-berlin.de

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