Kino

Mandy

Nicolas Cage ist schon oft dafür gescholten worden, dass er mit seinen Darstellungen  „over the top“ sei. Dem kann man nicht widersprechen – aber manchmal passt sein Stil einfach zu einem Film. Noch nie war das mehr der Fall als bei „Mandy“. Regisseur Panos Cosmatos zieht alle stilistischen Register, um die Zuschauer auf einen Trip mitzunehmen, gleichermaßen psychedelisch wie heavy-metal-mäßig geprägt.

Nicht Barry Manilows gleichnamiger Hitsong von 1974 eröffnet den Film, sondern King Crimsons „Starless“, das Musikstück einer Gruppe, die oft im selben Song von sanft zu heftig wechselt und damit einen passenden Einstieg liefert. Die Harmonie zwischen dem Holzfäller Red und seiner Ehefrau Mandy in ihrer Holzhütte anno 1983 bekommt durch die Farbgebung etwas Unwirkliches, ebenso durch die Titelbilder der Science Fiction-Pulpmagazinen, mit deren Anfertigung Mandy Geld verdient. Und auch der animierte TV-Werbespot für Käsemakkaroni wirkt wie nicht von dieser Welt. Ein brutales Ende setzt dem der Anführer eines Kults, der Mandy zu seiner Auserwählten erklärt und entführen lässt. Doch nicht einmal unter Drogen gesetzt mag sie sich ihm hingeben. So lässt er sie vor den Augen ihres Ehemannes ermorden.

Mit Pfeil und Bogen, einer selbstgeschmiedeten Streitaxt und einer Kettensäge macht sich Red daran, Rache zu nehmen und metzelt sich zunächst durch die Muskelmänner der Sekte – Biker auf Drogen, vielleicht auch Dämonen – und dann durch deren inneren Zirkel, bis zum Finale in deren Kirche, das zunehmend etwas Außerweltliches hat. Nicht nur in den Szenen, in denen Figuren unter Drogeneinfluss agieren (und in denen es dem Film gelingt, uns das Geschehen quasi von innen her erleben zu lassen) ist „Mandy“ ein halluzinatorisches Gesamtkunstwerk. Glücklicherweise ist der Eröffnungsfilm des diesjährigen Fantasy Film Fests vor seiner Home-Entertainment-Auswertung noch einmal auf der Leinwand zu sehen. Die braucht er auch.

Mandy, USA 2018, 121 Min., R: Panos Cosmatos; D: Nicolas Cage, Andrea Riseborough. Linus Roache, Start: 1.11.

Infos und Termine

Mandy (2018)