BIBEL-DRAMA

Maria

Nurkan Erpu­lat rettet einen schwachen Text durch Tempo und eine überzeugende Hauptdarstellerin

Vidina Popov als Maria (re.) mit Elena Schmidt – Foto: Ute Langkafel / Maifoto

Wer bei dem neuen Stück vom britischen Dramatikerheroen Simon Stephens eine famose Übertragung des Jungfrauengeburtsmotivs erwartet hatte, sah sich leider enttäuscht. Zwar hangelt sich „Maria“ an den wichtigsten Aspekten der Bibel-Story entlang. Die schwangere Mutter (Vidina Popov) ist18 ­Jahre jung und kommt aus der Unterschicht. Als Kindsvater kommen mehrere Männer infrage. Und richtig helfen will ihr auch niemand. Der erste Teil des Stücks zerfasert gleich in so viel Gelaber über Gebärprobleme, dass Regisseur Nurkan Erpu­lat den Fuß aufs Gaspedal drückt und sein Ensemble schnell sprechend durch die Sequenzen jagt.

Im Mittelteil jobbt Maria vom Kinderzimmer aus als Chat-Host. Die Klienten sind mal nicht vor imaginäre Bildschirme geklemmt, sondern kurven selbst ganz munter durch die Wohnung. Nähe stellt sich her. Berührung freilich findet nicht statt – wie im echten Chat-Leben eben auch. Das spezielle Verhältnis von Nähe und Distanz im Online-Diskurs ist hier sehr schön auf die Bühne übertragen.

Auch Bühnenbildnerin Magda ­Willi punktet. Erst stellt sie eine karge graue Wand hin. Dann kippt diese um 90 Grad und verwandelt sich in eine Wohnung. Am Ende kippt die Wohnung noch einmal. Insgesamt trotzdem nicht mehr als eine halb-inspirierte Routine-Arbeit an einem eher blassen Text. TOM MUSTROPH

20., 26.3., 19.30 Uhr, Gorki Theater, Am Festungsgraben 2, Mitte. Regie: Nurkan Erpulat; mit Vidina Popov, Karim Daoud, Till Wonka, Elena Schmidt. Eintritt 10–38 €