Kunst

Marianne Wex

Wieder in Berlin: Marianne Wex’ Klassiker „,Weibliche‘ und ,männliche‘ Körpersprache als Folge ­patriarchalischer Machtverhältnisse“ – bei Tanya Leighton

Vor rund 40 Jahren wurden die Bilder aus Marianne Wex’ selbsterklärender Studie „,Weibliche‘ und ,männliche‘ Körpersprache als Folge patriarchalischer Machtverhältnisse“ (1972–77) erstmalig präsentiert. Lang hatte die deutsche Künstlerin und Auto­rin dafür Abbildungen aus Zeitschriften gesammelt sowie in Museen und in der Öffentlichkeit Menschen und Skulpturen fotografiert.

Heraus kam eine dokumentarisch anmutende Sammlung von über 5.000 Beispielen, die erschreckend eindeutige Unterschiede zwischen den Geschlechtern herausarbeitete: etwa bei Körperhaltungen im Sitzen und Stehen oder in der Art, wie Personen präsentiert werden. Damals erregten die Ergebnisse, die 1977 in der Berliner Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst gezeigt wurden, große Aufmerksamkeit. Nun wird ein Teil der Studie, die 2014 im Projektraum Auto­center zu sehen war, über Verbindungen des Kurators Mike Sperlinger unter dem ­Titel „Let’s Take Back Our Space“ als verkäuf­liche Arbeit in der Galerie Tanya Leighton ausgestellt.

Männer und Frauen beim öffentlichen Lagern am Strand und auf der Wiese: Tafel aus Marianne Wex’ Ausstellung „Let’s Take Back Our Space“ in der Galerie Tanya Leighton Foto: Gunter Lepkowski Berlin

Beine breit

Frauen signalisieren in Wex’ Studie fast durchgängig einen zärtlichen, zurückhaltenden und schüchternen Charakter. Die männlichen Posen demonstrieren Macht, Aggressivität und Dominanz. Die Tafel mit dem Titel „Arm- und Beinhaltungen auf dem Boden liegend“ zeigt Fotos von Beinen beider Geschlechter: Die Beine der Frauen sind ausnahmslos eng aneinander gestellt oder übereinandergelegt. Die abgebildeten Männer machen es sich gemütlich am Strand und strecken ihre Gliedmaßen unbekümmert auf dem Sand aus. Daneben steht die Interpretation von Wex kurz und knapp: „Es ist nicht anständig für eine Frau, soviel Raum für ihre Körperhaltung einzunehmen.“ Diese und weitere Studien zum Sitzen, Liegen, von Handhaltungen und Gesichtern verdeutlichen, wie sehr in den 70er–Jahren unterschiedliches Auftreten der Geschlechter durch Werbung und Fotos aus dem öffentlichen Raum etabliert war.

Hat sich das geändert? Gender Studies sind heute ein bekanntes Studienfach, an den Universitäten diskutieren Spezialisten Körpersprache als „tertiäres Geschlechtsmerkmal“. Doch auf den Straßen und in der U-Bahn wird die Besucherin der Ausstellung in ihrer Vermutung bestätigt: Es ist nicht viel besser als damals. Männer sitzen breitbeinig in der Bahn und markieren ihr Revier, Frauen schlagen die Beine übereinander und nehmen wenig Platz ein. Fragt man die Künstlerin, ob sie eine Veränderung wahrgenommen habe, erklärt Wex, dass diese subtil stattgefunden habe. „Aber besonders, wie Männer und Frauen sich anfassen, hat sich am längsten gehalten. Die Frau hängt sich an den Mann, wird von ihm gestützt oder gezogen. Es gibt aber mehr Ausnahmen als früher“, sagt sie. „Doch die Medien sind regressiv, das drückt auf die Stimmung“.

Weiter am Körper

Wex, 1937 geboren, ist seit dem großen Erfolg der ersten Ausstellung in der NGBK viel beschäftigt. Obwohl sie sich heute in Seminaren und Vorträgen auch anderen Themen wie körperlichen Selbstheilungskräften zuwendet, wird ihre künstlerische Studie zu Körpersprachen weiterhin für Ausstellungen angefragt. In der Galerie Tanya Leighton berichtet sie davon, noch am Tag der Eröffnung einen Vorschlag für eine neue Präsentation erhalten zu haben.

Bis 17.2.: Galerie Tanya Leighton, Kurfürstenstr. 156 & 24/25, Tiergarten, Di–Sa 11–18 Uhr