Drama

Marija

Das keineswegs ungewöhnliche Schicksal einer Migrantin in Deutschland

ZITTY-Bewertung: 4/6

Ein eigener Frisiersalon, das ist die Perspektive für Marija, eine junge Frau aus der Ukraine, die sich in Dortmund als Reinigungskraft durchschlägt. Sie lebt in einer Bruchbude und ist auf das Wohlwollen von Cem angewiesen, der in dem Haus das Sagen hat. Marija ist eine Frau in einer Welt, die von informellen Lösungen geprägt ist. Männer machen Deals, Frauen sitzen dabei, sie sorgen für Anreiz oder gute Stimmung.

Irgendwann stellt sich die Frage, worauf Marija sich einlassen will oder soll: ein Blowjob, eine Nacht, oder gar so etwas wie eine Beziehung? Für den Österreicher Georg, der Schwarzarbeiter vermittelt, soll sie als „Assistentin“ arbeiten, aber plötzlich findet sie sich auf einer großen Baustelle in einer Kontrolle wieder.

Marja
Foto: Real Fiction/Bernhard Keller

Michael Koch zeigt die Ränder der deutschen Gesellschaft, eine Welt, von der die Behörden so wenig wie möglich wissen sollen, und wo die Gesetze einer einfachen Ökonomie gelten: Übervorteilung, Ausbeutung, Korruption und gelegentlich eine unerwartete Belohnung. Marija (beeindruckend: Margarita Breitkreiz) muss sich einen Freiraum schaffen, notfalls auch, indem sie sich instrumentalisieren lässt. „Marija“ ist eine Sozialstudie, bei der man ein wenig an die Brüder Dardenne denken könnte, ohne deren moralische Zuspitzungen. Das Leben ist auch so schon voller unangenehmer Entscheidungen.  

D/CH 2016, 100 Min., R: MIchael Koch, D: Margarita Breitkreiz, Dahin Eryilmaz, Georg Friedrich, Olga Dinnikova

Marija

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