Berlin

Marktperlen

Längst bieten die Berliner Wochenmärkte nicht mehr nur ein Best of der Brandenburger Äcker. Ein Spaziergang zu Essensständen, die sich wirklich lohnen

Gegrillte Makrelen
Die Frischfische, die Jürgen Fürgut auf seinem Holzkohlegrill in wenigen Minuten zu goldbraun-knusprigen Köstlichkeiten heranbrutzeln lässt, stammen allesamt aus erster Hand und kontrolliertem Qualitäts-fang: Makrelen aus Norwegen, Saiblinge aus Island oder Forellen aus dem oberbayerischen Landsberg, wo sein Vater eine eigene Fischzucht betreibt. Zander und Hecht kommen direkt aus der Region. Je nach Hunger kann man zwischen (Filet-)Stück oder ganzem Fisch wählen, zu dem es Zitrone und gegrilltes Brot gibt. Der Grill-Stand hat sich längst stadtweit zur begehrten Anlaufstelle für alle Fischfans entwickelt, die bei einem Makrelenfilet im Stehen mal eben kurz von Meer und Hafenmole träumen wollen.

Arkonaplatz, Prenzlauer Berg, U Bernauer Straße, Fr 12-19 Uhr Winterfeldtplatz, Schöneberg, U  Nollendorfplatz, Mi 10-14h, Sa 8-16 Uhr
Breslauer Platz, Friedenau, U Friedrich-Wilhelm-Platz, Do 12-17 Uhr, www.steckerlfisch.com

Gegrillter Leberkäse

Beste Qualität aus kleinen fränkischen Meistermetzgereien gibt es beim Caterer Fritz Zappe. Unter seinem Hauslabel „Fränkische Botschaft“ bietet der aus Bamberg stammende Koch und Gastronom erstklassige Grill- und Bratspezialitäten an, darunter drei verschiedene Leberkäse mit über 90 Prozent Fleischanteil. Den süßen Senf dazu stellt Zappe nach einem Rezept seines Großvaters her. Alle am Stand frisch zubereiteten Fleischsnacks, zu denen im Spätsommer auch eine selbstgemachte Steinpilzbratwurst zählt, werden stilgerecht mit Semmeln aus Bamberg serviert.  Dazu schmeckt ein gekühltes Fläschchen aus Zappes erlesenem Frankenbierangebot von befreundeten Kleinbrauereien aus der Heimat.

Arkonaplatz, Prenzlauer Berg, U Bernauer Straße, Fr 12-19 Uhr, www.fraenkische-botschaft-online.de

Pasta mit Trüffel
Was der italienische Landwirt und Feinkost-Caterer Leonardo Esposito auf seinem Berliner Wochenmarktstand anbietet, stammt ausschließlich aus seiner abruzzischen Heimatprovinz Chieti. Neben Trüffelaufstrichen und bodenständigen Weinen stehen feinstes Olivenöl und Oliven aus eigenem Anbau sowie Tomatensaft aus Familienproduktion im Mittelpunkt. Mit holzkohlegegrillten Lammspießen oder frisch zubereiteten Tomaten-Bruschettas aus selbstgebackenem Hartweizenbrot lockt Esposito auch zum Snack zwischendurch. Seine Pasta bereitet er mit jungem Olivenöl und großzügig über die Nudeln gehobeltem Trüffel zu, den er aus der Heimat bezieht und auf Hobbykoch-Nachfrage auch lose verkauft.

Arkonaplatz, Prenzlauer Berg, U Bernauer Straße, Fr 12-19 Uhr Mexikoplatz, Zehlendorf, S Mexikoplatz, Sa 9-15 Uhr Winterfeldtplatz, Schöneberg, U Nollendorfplatz, Mi 10-14h, www.deliziedileonardo.de

Mate-Smoothie
Auf Märkten wird zehnmal so viel kommuniziert wie in Supermärkten, fand eine Studie unlängst heraus. Samstag kurz nach 14 Uhr auf dem Boxhagener Platz bestätigt sich das eindrucksvoll. Der Verkäufer von der Grillbude Carnivore vergrault lautstark seine Kunden: „Bitte gehen Sie weiter. Bei uns schmeckt‘s voll schlecht.“ Und: „Sorry, Gammelfleisch ist alle.“ Die Frau vom Smoothie-Stand gegenüber gibt derweil preis, dass sie schon ganz wuschig sei von dem vielen Mate-Tee, den sie getrunken hat. Verständlich: Der Smoothie mit Apfel, Banane, Ingwer, Maca, einer angeblich aphrodisierenden Kressesorte, und dem belebenden Mate-Tee schmeckt so ausnehmend gut, da kann man kaum die Finger von lassen.

Boxhagener Platz, Friedrichshain, S+U Warschauer Straße, Sa 8-14.30 Uhr, www.funkyoufood.com

Dinkelquiche mit Spargel und Gartenkresse
Vergleichsweise unsinnlich war Thomas Gerns Job, bis er sich 2009 entschloss, sein Backhobby zum Beruf zu machen: Er arbeitete als Bankkaufmann. Heute ist er auf zahlreichen Wochenmärkten präsent. In immer neuen Variationen backt er Quiches mit Bio-Dinkelmehl und saisonalen Zutaten wie weißem Spargel, Manchego-Käse, Erbsen und Gartenkresse. Oder Tartes wie die aus Dinkelmürbeteig mit Erdbeeren, Mascarpone und Pistazien.

Boxhagener Platz, Friedrichshain, S+U Warschauer Straße, Sa 8-14.30 Uhr, Markt am Karl-August-Platz, Charlottenburg, U Wilmersdorfer Straße, Mi 8-13 Uhr, Sa 8-14 Uhr Frischemarkt am Theaterplatz, Karlshorst, S Karlshorst, Sa 9-15 Uhr, www.tartesdetom.de

Gözleme
Auf dem samstäglichen Kollwitzmarkt grassiert eine ernsthafte Syltifizierung. War es anfangs nur der Stand des Restaurants Zander, der mit Champagnerbegleitung zur Currywurst warb, buhlen mittlerweile drei Buden mit Schampus um Gäste. Eine Bastion der Bodenständigkeit ist dagegen der Gözleme-Stand. Weil die Schlangen immer lang sind, kann man den Köchen auf die flinken Finger schauen, wenn sie die Teigballen mit einem Holzstab zu einem sehr dünnen Fladen kneten und auf einer Heizplatte ausbacken. Gefüllt werden die Teigtaschen mit Kartoffeln, Hackfleisch oder Zucchini und Feta.

Kollwitzmarkt, Prenzlauer Berg, U Eberswalder Straße, Sa 10-16 Uhr

Paella
Anders als am Samstag trifft man am Donnerstag auf dem Kollwitzmarkt eher Antroposophen beim Dinkelwaffelessen. Zu den kulinarischen Attraktionen des beschaulichen Ökomarktes zählt die Paella, die Miriam und Martin aus Barcelona in zwei großen Pfannen vor den Augen der Marktbesucher zubereiten. Lange war ihre Paella vegan, was bei aller Tierliebe doch eine geschmackliche Einschränkung ist. Nun gibt es sie auch mit Hühnchen. Noch besser schmeckt sie mit der Holunderlimo vom ebenfalls fabelhaften Pizza-Truck schräg gegenüber.

Ökomarkt am Kollwitzplatz, Prenzlauer Berg, U Eberswalder Straße, Do 12-19 Uhr

Falafel
Herr Abnaya lächelt: „Möchten Sie einen Tee?“ Schon dampft der frische Minztee vor dem Kunden, stark und süß, gerade richtig beim kühlen Berliner Sauwetter. Die zweite Frage des Falafelverkäufers ist: „Welche Sauce? Sesam oder Mango, die ist schärfer.“ Stammkunden nehmen sowieso beides gemischt, und davon gibt es viele. Faisal A. Abnaya verbreitet seit 25 Jahren Freundlichkeit auf dem Markt. Der Stand sei sein Hobby, sagt er, sonst arbeitet er beim Kindernotruf in Kreuzberg. „Man muss etwas zurückgeben, wenn es einem gutgeht“, sagt Herr Abnaya. Und lächelt gegen den Nieselregen an.

Karl-August-Platz, Charlottenburg, U Deutsche Oper, Mi 8-13 Uhr, Sa 8-14 Uhr

Rhabarber-Baiser-Torte
Annette Zeller ist Bäckermeisterin in der vierten Generation. Sie backt mit Biozutaten und verwendet Früchte aus dem eigenen Garten, regionaler geht es wohl kaum. Egal ob man sich für die zart-säuerliche und knusprige Rhabarber-Baiser-Torte oder den Johannisbeer-Streuselkuchen mit Vanille-Sahne entscheidet, ihre Backwaren sind ein Traum. Auch optisch.

Markthalle 9, Kreuzberg, U Görlitzer Bahnhof, Fr 12-19 Uhr, Sa 9-16 Uhr, www.frauzeller.de

Mango-Sorbet
Jeden Samstag dreht Francette Mokros durch. 1971 kam sie nach Berlin und hat aus ihrer Heimat Guadeloupe das Familienrezept ihrer „Mama Léone“ für Mango-Sorbet mitgebracht. In kleinen Fässchen rührt und dreht sie per Hand die köstlich fruchtige Erfrischung, die es auch in den Geschmacksrichtungen Kokos, Guave oder Schoko gibt. Im Winter wird das Sorbet von kreolischer Vanille-Kokoscreme mit heißem Mangomus ebenso appetitlich vertreten.

Winterfeldtmarkt, Schöneberg, U Nollendorfplatz, Mi 8-14 Uhr, Sa 8-16 Uhr, www.karibikmarkt.de

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