PREMIERE

Performative Religionskunde

Das Theaterkollektiv Markus&Markus erkundet in „Zwischen den Säulen“
in den Sophiensaelen den Islam

Text: Tom Mustroph

Wer sich zwischen die Stühle setzt, befindet sich in der ungünstigen Lage, sich ­zwischen zwei Optionen nicht entscheiden zu können. Die Performancegruppe Markus&Markus platziert sich in ihrer neuesten Arbeit ­allerdings bewusst „zwischen die Säulen“, um eine gewisse Distanz, aber auch den Überblick zu bewahren.

Denn die Stützpfeiler, an denen sie sich abarbeiten, sind ganz besondere: die sogenannten fünf Säulen des ­Islam. Sie umfassen, soviel Religionskunde sei in der säkularen ZITTY erlaubt, Gebet und Glaubensbekenntnis, Pilgerfahrt und Spendentätigkeit sowie das Fasten im Ramadan.

Diese Säulen werden bei Markus&Markus nun zum Ausgangspunkt einer ­R­eise. „Wir haben mit dem Projekt vor zwei ­Jahren aus dem Gefühl heraus begonnen, dass wir alle so krass nebeneinander her ­leben und es kaum Berührungspunkte gibt“, ­erzählt Markus Schäfer, einer der ­beiden namens­gebenden Performer der Gruppe. „Wir ­haben dann selbst mit dem Fasten im ­Ramadan angefangen und uns Stück für Stück der Religion genähert.“

Eine Moschee spiegelt sich in der Glasfassade eines Hauses in Amman – Foto: Ann Klage

Ein Missions-Stück, gar ein Missionierungsabend soll „Zwischen den Säulen“ aber nicht werden, verspricht er. Vielmehr geht es der Gruppe, die in ihren subtilen ­Performance-Recherchen gerne die ­Grenze zwischen Inszenierung und Realität verschwimmen lässt und unter anderem zum Thema Sterbebegleitung kontrovers aufgefallen ist, um neue und überraschende ­Blicke auf die Religion.

Das kann über das Erzählen von tatsächlichen Begegnungen mit rea­len Menschen erfolgen, und auch ein historischer Kulturtransfer wird eine Rolle spielen: Die Steinfassade des Palastes von Mschatta, dessen Überreste heute von startenden und landenden Maschinen auf dem Flughafen von Jordaniens Hauptstadt Amman umflogen werden, ist seit über 100 Jahren auf der Berliner Museumsinsel ausgestellt.

Das deutet darauf hin, dass islamische Kultur vielleicht doch schon länger zu Deutschland gehört, als es der Streit um den 2010 vom damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff geäußerten Satz vermuten lässt. Unerschrocken springen Markus&Markus also in den medial aufgeheizten Kultur- und Religionskampf-Kessel hinein.

„Unser einer Oase nachempfundendes Bühnenbild ist ein Versuch, einen geschützten Raum, eine Art kleiner Utopie in einer verwüsteten medialen Landschaft zu schaffen“, sagt Schäfer. Das Stück „erklärt nicht die Welt, es stellt eine Welt dar“, heißt es in der Ankündigung. Die Welt der Religion mit den zweitmeisten Gläubigen in Deutschland nach dem Christentum.

20., 22. + 24.6., 20 Uhr, Sophiensaele, ­Sophienstr. 18, Mitte. Regie: Markus&Markus; mit Katarina Eckold, Lara-Joy Hamann, Markus Schäfer, Markus Wenzel, Eintritt 13, erm. 8 €