Coming Out

Marvin

Heterosexuelle Menschen können nur ­erahnen, welchen Psychostress ein ­Coming-Out bedeutet. Im autobiografi­schen Roman „Das Ende von Eddy“ (2014) hat der inzwischen 25-jährige Édouard Louis diese inneren Kämpfe, die Brutalität des Umfelds (Sprache, Gesten, Rotz und Fäuste) so eindringlich erzählt wie niemand vor ihm. Völlig zu Recht wurde das Buch ein Welterfolg.

Bestsellern ist es beschieden, verfilmt zu werden – wobei die Adaption hier eine sehr freie ist: Anders als die Vorlage spielt der Film zu drei Vierteln nach der Dorfzeit in Nordfrankreich und porträtiert den Künstler Marvin als jungen Mann in Paris, wo er ­Wahlverwandte, sucht: einen schmierigen Sugar Daddy (der bestens mit Isabelle Huppert bekannt ist), aber auch einen Theatermacher, der sein Mentor wird, ihm dabei hilft, sich das Theater als Medium der Vergangenheitsbewältigung zu erschließen.

Foto: Salzgeber

Dabei sind gerade die frühen Szenen von besonderer Dringlichkeit – und am besten gespielt. Highlight: wie der junge Marvin in der Theater-AG improvisierend abwechselnd alle Menschen seiner engsten Familie mimt, die sich darüber auslassen, warum er so eine Schwuchtel ist. Hartes Drama. Wer einen wohlfühligeren Film zum Thema Coming-Out braucht, dem sei der jüngst gestartete „Love, Simon“ empfohlen. 

F 2017, 115 Min., R: Anne Fontaine, D: Finnegan Oldfield, Jules Porier, Isabelle Huppert, Start 5.7.

Marvin (2018)

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