Kino

Matangi / Maya / M.I.A.

Popstar, Pseudorevolutionärin oder politische Kämpferin? Kaum eine andere Künstlerin hat sich in den letzten Jahren so souverän und kontrovers im Spagat zwischen Mainstream und Underground bewegt wie Matangi Arulpragasm, deren Rufname Maya ist und deren Bühnenname M.I.A. Es ist kein Zufall, dass Steve Loveridge für seinen Film über die Londoner Sängerin alle drei Namen für den Filmtitel gewählt hat: Matangi als Verweis auf ihre tamilischen Wurzeln, Maya als Ausdruck für sein persönliches Verhältnis zu ihr (gemeinsam haben sie an der Kunsthochschule studiert) und natürlich ihr Künstlername M.I.A., mit dem sie 2005 nach ihrer ersten LP „Arular“ wie ein Tornado über die Club-Tanzflächen fegte.

Ihr Sound war aufregend und frisch, ein Mix aus Breakbeat, Electro und HipHop, ihr Gesang fordernd und ihre Texte politischer Zündstoff statt Party-Lyrics. Die Verdammten dieser Welt hatten plötzlich eine Stimme und die gehörte einer modernen, jungen Frau, die wegen ihrer Herkunft und Familie – als Tochter des Mitbegründers der Tamil Tigers in Sri Lanka musste sie mit ins englische Exil flüchten – legitimiert war, diese auch zu erheben.

Foto: Rapid Eye Movies

Ein Großteil des Archivmaterials in diesem Film, vor allem jenes über ihre tamilische Heimat, stammt von ihr selbst, ursprünglich wollte Matangi Dokumentarfilmerin werden. Loveridges Film ist zwar manchmal etwas zu brav geraten, macht aber die Ambivalenzen im Leben von Matangi gut nachvollziehbar, Irrtümer eingeschlossen. Ihr größter war es zu glauben, als eine Jeanne d’Arc der Popkultur ausgerechnet das US-Showbusiness herausfordern zu können. Ein Irrtum, durch den sie schwer unter medialen Beschuss geriet und persönlich angegriffen wurde. Der Film zeigt sie davon gut erholt, und sie bleibt hoffentlich eine wichtige Stimme für all jene, die keine haben.

GB/USA/Sri Lanka 2017, 97 Min., R: Steve Loveridge, Start: 22.11.

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