Kunst

Mathilde ter Heijne lädt ein

Gemeinsam mit dem Verein Mama Afrika und weiteren NGOs setzt sich die Berliner Künstlerin für Frauenrechte ein

Was normalerweise  als verboten gilt, ist bei Mathilde ter Heijne erwünscht: In ihre Kunst darf man sich hineinlegen, darin Tee trinken und an Veranstaltungen teilnehmen. Gemeinschaft und Teilhabe zählen zu den Themen der Niederländerin, die Ende der 1990er-Jahre nach Berlin gezogen ist, und auch deshalb sitzen jetzt zwei Frauen in ihrem Atelier und nähen an surrenden Maschinen. Dreiecke aus Stoff stapeln sich bereits zwischen prall gefüllten Umzugskartons. Es sind knallbunte Bauteile für ter Heijnes Ausstellung „It will be!“ ab 18. März im Haus am Lützowplatz,  eine begehbare Rauminstallation, die ter Heijne gemeinsam mit Kiezmüttern, Handarbeitsgruppen und Mitgliedern von NGOs gestaltet.
Partnerin der Ausstellung ist der Verein Mama Afrika, der für sein Engagement gegen die Verstümmelung weiblicher Genitalien kürzlich mit dem Hatun-Sürücü-Preis ausgezeichnet wurde. Für die NGO und deren Nähgruppe, die schon einmal mit ter Heijne zusammengearbeitet hat, kam das Angebot zur rechten Zeit. Im Mai 2015 war Initiatorin Hadja Kitagbe Kaba gestorben, zugleich hatten die Frauen ihre Räume verloren. „Eine neue Aufgabe zu haben, war wichtig, damit es mit Mama Afrika weitergehen konnte“, sagt Ilaria di Benedetto von der NGO. Die Ausstellung sei auch eine Hommage an Kaba, der eine der Abendveranstaltungen gewidmet ist: Vertreterinnen von Terre des Femmes und anderen Organisationen erinnern am 7. April an die charismatische Frauenrechtlerin.
An einem Modell im Atelier zeigt ter Heijne, wie die fertige Installation aussehen wird: An den Kanten aneinandergeheftet, ergeben die Dreiecke eine Höhlenlandschaft. Jedes Stück steht für eine individuelle Stimme des temporären Teams und dessen Heterogenität: auf der einen Seite mit Blumen geschmückt, auf der anderen mit einem persönlichen Text.
Ter Heijne wurde mit multimedialen Arbeiten bekannt, 2005 begann sie mit „Woman to go“, einer Sammlung von Postkarten mit historischen Fotos unbekannter Frauen, kombiniert mit Biografien heute vergessener Frauen. Es sind Heldinnen zum Mitnehmen, „to go“, und der Entwurf einer alternativen Geschichtsschreibung, auch das bereits ein Gemeinschaftsprojekt. „It will be!“ entstand aus einer der Kooperationen für „Woman to go“– und zudem als Fortsetzung von „Olacak!“ in Istanbul. Dort  stellt ter Heijne mit Näherinnen und Stickerinnen 2010 eine meterlange Stoffschlange her, die diese als Sinnbild für Selbstermächtigung durch die Straßen trugen. Diese Arbeit war in Berlin zuletzt bis Ende März in der Neuköllner Galerie im Körnerpark zu sehen., wo sie nun zum 100. Jubliäum des Park wieder zu Gast ist.

 

 

Mathilde ter Heijne auf den Kissen, die Näherinen aus Berlin und Freiburg gestaltet haben. Foto: F. Anthea Schaap
Mathilde ter Heijne auf den Kissen, die Näherinen aus Berlin und Freiburg gestaltet haben. Foto: F. Anthea Schaap