BILDERPARADE

Max und Moritz

Die Streiche nach Wilhelm Busch ­geraten am BE zum flachen, aber fein gearbeiteten Unterhaltungsspaß

Böse Buben revisited: Constanze Becker, Tilo Nest, Sasha Nathan – Foto: Julian Röder / BE

Mit vollen Händen hat Antú Romero Nunes’ in seiner Inszenierung frei nach dem Kinderbuchklassiker von 1865 in die Wundertüte der Ideen gelangt. Viktoria Behrs Kostüme sind nah an den bekannten Figu­ren, Matthias Kochs Bühne lässt Raum, die Live-Musikerin Carolina Bigge knistert und schlagzeugt, was das Zeug hält.

Das Ensemble ist toll bei der Sache, in den kleinsten Gesten steckt Esprit. Auch dass Max (Stefanie Reinsperger) und ­Moritz (Annika Meier) keine Jungs sind, sondern Tomboys, macht Spaß. Urkomisch ist der Auftritt der Hühner mit jovialem Machohahn. Und wenn Schneider Böck (Tilo Nest) von einer Frau an der Rampe trockengebügelt wird, ist das in Sachen Slapstick up to date.

Erzählen ist diese Sache, die es nur deshalb gibt „weil man nicht direkt von Gehirn zu Gehirn kommunizieren kann“, wie Böck oberschlau in einer Solonummer schwadroniert. Was aber will der Erfinder dieses Abends unseren Gehirnen mitteilen, worüber sollen wir grübeln?

Der Anarchokampf zweier einfallsreicher Kinder gegen stupide Alltags-Autoritäten wäre ein Superthema gewesen. Als Moral der Geschichte wird Ähnliches am Ende angedeutet, ein Konzept dazu ist in Nunes’ Inszenierung beim besten Willen nicht auszumachen. Stattdessen quillt es üppig und herrlich, aber a­nar­chomäßig unsortiert aus dem Füllhorn der Theaterideen. ANNA OPEL

15. + 16.6., 19.30 Uhr, Berliner Ensemble, Bertolt-Brecht-Platz 1, Mitte. Regie: Antú Romero Nunes; mit Stefanie Reinsperger, Annika Meier, Sascha Nathan u.a., Eintritt 11-35 €