Berlins aufregendste junge Schauspieler

Maximilian Brauer

Rankings findet er blöd, erst recht, wenn es um künstlerische Arbeit geht. Aber eine Top Ten der aufregendsten jungen Berliner Schauspieler ohne ihn? Undenkbar!

Seit eineinhalb Jahren spielt Maximilian Brauer derart intensiv an der Volksbühne, als würde er schon immer zum Inventar gehören. In gewisser Weise stimmt das auch: Zusammen mit Lilith Stangenberg (unsere beste Jungschauspielerin, siehe Heft 18/13) und der viel zu früh gestorbenen Maria Kwiatkowski gehörte er zum goldenen Jahrgang des Volksbühnen-Jugendclubs P14. Vorher hatte auch er keine Ahnung vom Theater, hinterher studierte er in Leipzig zwei Jahre an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“. Und ließ sich, noch ohne Abschluss, 2008 von Sebastian Hartmann an dessen wildes Centraltheater Leipzig abwerben.

Brauer spielte alles zwischen dem „Kirschgarten“ und „Pension Schöller“. Und überzeugte bereits dort mit einer irren Körperlichkeit: Als Wasserverkäufer Wang etwa in Sebastian Baumgartens „Der gute Mensch von Sezuan“-Inszenierung (mit Kathrin Angerer als Shen Te) trieb er seine ausgezehrte Gehetztheit konsequent in die schwarze Komik.

Jetzt, mit 26, ist er an der Volksbühne  angekommen. Obwohl er hier eher in Nebenrollen zu sehen ist, fällt er sofort auf. Diese Biegsamkeit! Diese Juwelenaugen! Dieses Vogelhafte, wenn sein Kopf zu ­ruckeln beginnt in Martin Wuttkes Inszenierung von Molières „Der eingebildete Kranke“, er dann höchst grenzdebil über die Bühne krabbelt und sich gummiartig in die Wertschöpfungskette von Suppe und Nachttopf verknotet, wo dann irgendwann das Eine ins Andere fließt!

Ähnlich elastisch turnt er durch Frank ­Castorfs „Der Geizige“, und nur in René Polleschs „Don Juan“, dem dritten Teil der Volksbühnen-Molière-Trilogie, wirkt er etwas unterbeschäftigt. Nicht zu seinem Nachteil, wie er findet: „Ich hab in den Proben so viel gelernt und diese Heterotopie-Texte von Foucault gelesen. Jetzt stehe ich auf der Bühne auch gern rum und höre zu“, sagte er dem Fachblatt „Theater heute“. „Deshalb mache ich ja Theater: Weil ich das Gefühl habe, da kann ich überall was mitnehmen.“ So wie wir von ihm – das wohlig kribbelnde Gefühl von Thea­terglück. Georg Kasch

Alter: 26
Theater: Volksbühne
Paraderolle: Sein wahnhaft-komisch-eigenartiger Psychologiestudent Nathaniel in „Der Sandmann“ (Regie: Sebastian Klink)
Auch bekannt durch: „Und morgen leben wir wieder“ von Philipp Leinemann (Kino)
Demnächst zu sehen: in „Der eingebildete Kranke“, 7.11., 20 Uhr, Volksbühne