Berlinopolis

Mediaspree

An dieser Stadt haben sich schon viele versucht: Könige und Kaiser, Nazis, Kanzler und Bürgermeister – immer getrieben von der Sehnsucht nach Größe. Trotzdem ist Berlin bis heute nicht fertig. Überall Baustellen, überall neue Areale. Was wird daraus? Ein Blick auf die Hauptstadt der Zukunft, wenn der Größenwahn gesiegt hat

Der Ort

Zwischen Jannowitz- und Elsenbrücke erstreckt sich entlang der Spree das wohl meistgehasste Bauprojekt der jüngeren Stadtgeschichte. Was nach Krieg und Teilung zum Niemandsland wurde, soll nach dem Willen der Mediaspree-Planer als Hotspot für Musik-, Mode- und sonstige Kreativindustrie gedeihen. MTV und Universal sind schon da, aber auch Unkreativere wie die Gewerkschaft Verdi oder die Stadtreinigung, die ein Gelände am Fluss reserviert hat. Am nördlichen Ufer beim Ostbahnhof liegt das Anschutz Areal. Es ist nach einem milliardenschweren Investor aus Denver benannt, dem die Berliner Eisbären gehören und der ihnen mit der O2-World eine ganze Arena an die Spree gesetzt hat.

Der Plan

In der Nachbarschaft baut Daimler seit einigen Wochen seine neue Vertriebszentrale für etwa 1.500 Beschäftigte. Für das Anschutz-Gelände ist ein ganzes Wolkenkratzer-Ensemble geplant: zwei Hochhäuser im Westen, zwei im Norden, dazwischen Piazza und Entertainment-Center. Schöne neue Spree: An ihren Ufern soll so ein dicht bebautes Geschäftsviertel wachsen, ganz ähnlich den Londoner Docklands.

Der Haken

Seit Jahren kämpft die Initiative „Mediaspree versenken“ gegen die entfesselte Bauwut der Investoren an. Die Kritiker befürchten, Unternehmen würden auf Kosten aller Berliner attraktiven Stadtraum für sich vereinnahmen und fordern ein unbebautes und frei zugängliches Flussufer. Mit einem Bürgerentscheid feierte die Initiative vor drei Jahren zwar einen Erfolg und konnte sogar den Bau eines Hochhauses an der Elsenbrücke verhindern – aufhalten lässt sich Mediaspree damit aber nicht, schon gar nicht bei einer rot-schwarzen Senatsmehrheit.

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