Animationsfilm

Mein Leben als Zucchini

Der Schweizer Claude Barras erzählt in seinem Puppentrickfilm warmherzig von Heimkindern und ihren Abenteuern

ZITTY-Bewertung 6/6

Die Stop-Motion-Animation mit Puppen gehört zu den schönsten Formen des Trickfilms, vor allem, weil man den handwerk-lichen Aspekt dieser Arbeit spürt – ebenso wie die Hingabe der Filmemacher an ihre Figuren. Wer auf seinem Set täglich nur ein paar Sekunden Film produziert, weil die Puppen mit all ihren Regungen und Bewegungen für jede Aufnahme immer nur millimeterweise bewegt werden können, muss seine Arbeit schon sehr lieben.

Das sieht man auch dem Schweizer Trickfilm „Mein Leben als Zucchini“ an, der im Gegensatz zu den US-Puppen-Produktionen der letzten Jahre, die sich optisch immer stärker am Computeranimationsfilm orientierten, in seiner Ästhetik ganz auf pure Stilisierung setzt: Figuren mit dünnen Körpern, überlangen Armen und großen Köpfen mit riesigen Augen, die auch in ihrer ganzen Buntheit an Kinderzeichnungen erinnern, erzählen hier die Geschichte von traumatisierten Kindern, die in ein Heim kommen, weil ihnen in ihrem familiären Alltag Schreckliches widerfahren ist.

Für das Langfilmdebüt von Claude Barras hat die französische Filmemacherin Céline Sciamma das Drehbuch -geschrieben. Alkohol- und Drogensucht der Eltern, Missbrauch, Mord und Selbstmord: In dieser Hinsicht schrecken die beiden nicht vor einer ungeschönten Realität zurück, die jedoch komplett von der liebevollen Fürsorge aufgefangen wird, mit der die Kinder behandelt werden.

Das Heim mit der verschworenen Gemeinschaft der Kinder ist hier ein Ort großer -Sicherheit und Zuneigung. Deshalb müssen die Kinder sich auch etwas einfallen lassen, als Camille, in die sich der neunjährige Icare, genannt Zucchini, ein wenig verguckt hat, wieder zu ihrer garstigen Tante zurückkehren soll, die lediglich das Kindergeld kassieren will.

Der Film erzählt episodenhaft und mit warmem Humor: von Erinnerungen, die auch Erinnerungen bleiben, wenn sie nicht nur schön sind, von einem Polizisten, der sich gut als Pflegevater eignen würde, oder auch von der Verunsicherung, die die Kinder ergreift, als sie gerüchteweise erfahren, dass Männern beim Sex der Schniedel explodiert. Für ganz kleine Zuschauer ist das vielleicht noch nichts, doch wer seinem zehnjährigen Spross jene emotionale Intelligenz zutraut, die Kinder in diesem Alter unbedingt haben, sieht beim empfohlenen gemeinsamen Kinobesuch einen der schönsten Filme des noch jungen Kinojahres, der für den Oscar als Bester animierter Spielfilm nominiert wurde.  

„Ma vie de courgette“, CH/F 2016, 66 Min.,  R: Claude Barras

Mein Leben als Zucchini

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