Kino

Mein liebster Stoff

Damaskus im Frühling 2011: Nahla ­arbeitet als Verkäuferin in einem Modegeschäft. Sie soll einen jungen Mann ­heiraten, der mit seinen Eltern aus Syrien nach Amerika ausgewandert ist. Das ­Vorstellungsgespräch überfordert den Hoffnungsträger. Nahla stellt sich sein Leben langweilig vor.

Viel interessanter ist für sie das, was in der Wohnung einen Stock über der eigenen vorgeht. Eine schöne, mysteriöse Frau lebt dort mit ihrem Sohn. Nahla beginnt, ­unter immer neuen Ausreden, regelmäßig nach oben zu gehen. So kann es ihr bald nicht mehr entgehen, dass Madame Jiji ein Bordell betreibt. Nahlas sexuelle Fantasien bekommen durch ihre Beobachtungen neue Nahrung, und so entfremdet sie sich nur noch weiter von ihrer Mutter und den beiden Schwestern, von denen die eine stark politisiert ist, während die andere stärker dem Geschmack des täppischen Samir aus Amerika entspricht.

Neugierig: Nahla (Manal Issa)
Foto: Antoine Héberlé Gloria Films/Grandfilm

Gaya Jiji verbindet in „Mein liebster Stoff“ (wörtlich: „Mein bevorzugtes Gewebe“) zwei Aufbruchsbewegungen: die intime Initiation von Nahla, die von einem Traummann fantasiert, und die politische Bewegung in Syrien im Jahr 2011, die durch das Assad-Regime brutal unterdrückt und zugleich von den islamistischen Bewegungen übernommen wurde. Gaya Jijis Film überzeugt vor allem durch die kluge Zusammenführung der politischen und erotischen Dimensionen in einem Salon der Frauen.

D/F/TK 2018, 94 Min., R: Gaya Jiji, D: Manal Issa, Ula Tabari, Souraya Baghdadi, Start: 10.1.

Mein liebster Stoff