Drama

Meine glückliche Familie

Das eigene Zuhause wird in diesem Familien- und Emanzipationsdrama für eine Lehrerin zum Gefängnis

ZITTY-Bewertung: 5/6

Eines Tages hat Manana ­­­(Ia Shugliash­vili) die Nase voll. Man hat es kommen ­sehen im Familienalltag der 52-jährigen Lehrerin, die als Ehefrau und Mutter mit ihren ­Eltern, dem Mann und den erwachsenen Kindern in einer Dreizimmerwohnung in Tiflis lebt. Die Kamera folgt ihr in dem liebevollen Fami­lien- und Emanzipa­tionsdrama ganz nah durch den Alltag, macht die Räume noch zusätzlich eng in ­einem Gewusel, in dem alle unentwegt ­reden, schimpfen und nicht zuhören. ­Manana erlebt das Familienleben zusehends wie eine Dienstmagd: Auf der ­einen Seite schwingt noch immer ihre ­dominante Mutter Lamara (Berta Khapava) das Zepter, auf der anderen Seite entwickeln ihre Kinder keine Selbstständigkeit.

Das georgisch-deutsche Regieduo Nana Ekvtimishvili und Simon Groß verdeutlicht die Situation in einer Sequenz, in der sich ­alles um Mananas Geburtstag dreht: ­Obwohl sie klar gemacht hatte, dass sie den Tag gern allein und in Ruhe verbringen möchte, ist die Wohnung am Ende voll von Leuten, die sie nicht eingeladen hat.

Meine glückliche Familie
Meine glückliche Familie (2017) Foto: Zoro Filmverleih

Und dann ist Manana weg. Sie mietet eine eigene Wohnung, vertritt ihre Sache mit sanfter Beharrlichkeit. Die Lehrerin sitzt bei offenem Fenster in ihrem neuen ­Domizil: Der Raum hat sich geöffnet, von draußen hört man das Rauschen der Bäume im Sommerwind, es ist Zeit durchzuatmen.
Doch Manana lässt ihre Familie nicht im Stich: Sie bleibt weiterhin Ansprechpartnerin – um dann entschlossen wieder zu gehen in dieses neue, unspektakuläre, aber eigene Leben. Mananas Bruder, ganz Familienpatriarch, kungelt hinter ihrem Rücken mit Kumpels aus, dass diese auf die Schwester „aufpassen“. Was natürlich ­bedeutet, dass Manana keinen Herren­besuch empfangen soll.

Gegen die Traditionen einer patriarcha­lischen Gesellschaft anzukommen, ist nicht leicht, zumal sich die Bevormundung hier hinter einem „Wohlmeinen“ versteckt, an dessen Ehrlichkeit man vielleicht noch nicht einmal Zweifel haben muss. Umso wichtiger ist ­Mananas späte Erkenntnis, dass es auch für sie ein selbstständiges ­Leben gibt. Und wenn man sie am Ende mit ­ihrem Mann in ihrer Wohnung sitzen sieht, dann bekommt man den Eindruck, dass die ­Geschichte für die beiden hätte gut aus­gehen können: mit Zeit für Gespräche und für eine Zweisamkeit, die nie vorhanden war. 

„Chemi Bednieri Ojakhi“, D/F/GEO 2016,  120 Min., R: Nana Ekvtimishvili & Simon Groß, D: Ia Shugliashvili, Merab Ninidze

Meine glückliche Familie

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