Meine perfekten zwei Wochen

Internationales Literaturfestival

ZITTY-Redakteur Erik Heier empfiehlt seine persönlichen Highlights der kommenden 14 Tage und Nächte: ein Special zum Internationalen Literaturfestival Berlin

Zitty-Redakteur Erik Heier – Foto: F. Anthea Schaap

In der Straßenbahn, ein Buch in der Hand. Solche Leute sieht man jetzt vielleicht noch öfter. Kann natürlich sein, dass nur ihr Smartphone-Akku alle ist. Oder aber sie wollen zum 19. Internationalen Literaturfestival Berlin (ilb). Weil das Haus der Berliner Festspiele, sonst das Epizentrum des ilb, derzeit saniert wird, sind die Veranstaltungen über die Stadt verteilt (11.–21.9.). Viel Zeit zum Lesen in den Öffis. Ich habe auch immer Bücher dabei.

Denn was wird das für ein Herumgefahre! 200 Veranstaltungen. Herrjeh. Mein erster Termin ist im Wedding: die Lange Nacht der Poesie (13.19., 18 Uhr, Silent Green) unter anderem mit der US-Amerikanerin Eileen Myles, die ich nicht kenne, aber die Ankündigung mit einem „New York Times“-Zitat als „Kultfigur für Frauen der Post-Punk-Ära“ klingt vielversprechend.

Wie überhaupt das ilb eine treffliche Gelegenheit für Entdeckungen aus aller Herren und Damen Länder ist. Tommy Oranges grandioses Debüt „Dort dort“ habe ich allerdings bereits gelesen – urlaubsbedingt sogar dort, wo seine vielstimmige Geschichte um urbane Indianer auch spielt, nämlich im kalifornischen Oakland. Dagegen war ich noch nicht in der James-Simon-Galerie, wo Orange liest (14.9., 21 Uhr). Also hin da.

Karina Sainz Borgo liest am 20.9., 21 Uhr, Collegium Hungaricum Berlin, Dorotheenstr. 12, Mitte – Foto: Divulgação

Ein Fachgebiet, auf dem sich diverse Zitty-Kollegen deutlich besser auskennen als ich, ist das Feld der mehr oder minder bunten Bilder mit Text. Am vom „Tagesspiegel“-Kollegen Lars von Törne kurartierten Graphic Novel Day (Collegium Hungaricum Berlin, 15.9., 12–22 Uhr) gibt’s den halben Sonntag über die Gelegenheit, ein paar Bilder-­Bildungslücken zu schließen. Zum Beispiel mit der Künstlerin Lina Itagaki und der Autorin Jurga Vilė, die in „Siberian Haiku“ für Kinder ab acht Jahren von der Deportation einer litauischen Familie während der Sowjetzeit erzählen.

Zwei hochinteressante Berliner Schriftsteller*innen stehen auch auf meiner To-see-Liste. Zunächst geht’s erneut in Chipperfields neues Besucherzentrum der Museumsinsel. Der vielfach ausgezeichnete Sherko Fatah hat sich für seinen neuen Roman „Schwarzer September“ mit Idealisten der 70er-Jahre, die sich im Nahen Osten zu Terroristen ausbilden lassen, beschäftigt (16.9., 21 Uhr).

Nora Bossong liest am 17.9., 19.30 Uhr, Collegium Hungaricum Berlin, Dorotheenstr. 12, Mitte – Foto: Peter-Andreas Hassiepen

Gleich um die Ecke, wieder im Collegium, liest am Tag darauf Nora Bossong aus ihrem neuen, für den Deutschen Buchpreis nominierten Roman „Schutz­zone“ (17.9., 19.30 Uhr). Liegt noch ungelesen auf meinem Tisch. Muss dringend mal in meine Öffi-Reisetasche.

Denn das Buch für meinen nächsten Termin, wieder im Collegium, wieder einen Tag später, kenne ich: „Das Schneckenhaus“ des syrischen Schriftstellers Mustafa Khalifa: ein erschütterndes Tagebuch seiner 13-jährigen Horror-Haft in einem syrischen Militärgefängnis (18.9., 18 Uhr).

Gleich auf zum nächsten Krisengebiet: Venezuela. Karina Sainz Borgo beschreibt bürgerkriegsähnliche Szenarien in ihrem ersten literarischen Roman „Nacht in Caracas“(Collegium, 20.9., 21 Uhr).

Maxim Biller: The Art of Writing III am 15.9., 19.30 Uhr, James-Simon-Galerie, Eiserne Brücke, Mitte – Foto: Hartwig Klappert

Womöglich schaffe ich es zwischendurch noch zur neuen Reihe The Art of Writing zum Beispiel zu Maxim Biller in der James-Simon-Galerie (15.9., 19.30 Uhr).

Aber vielleicht nehme ich mir besser auch nicht zu viel vor für das ilb.